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Kategorie: Allgemein

Das wöchentliche Gedicht – zwanzigste Sendung

Wie die Rosen

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Drohendes Dornen und blühendes Bemühen

Zeigst du uns, Rosenstrauch?

Willst uns warnen, golden zu glühen

Falsch wie du auch?

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Komm, wilde Rose! Sei du mein Leben!

Dir will ich alles Vergebliche geben

Will dir Treue und Liebe geloben.

Und es sei Dornen und Blüten

In dir Nesten und Brüten

Wie ich aufgehoben.

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An Tagen, die mir sinnentleert vergehen

Stirbt ab ein Rosenzweig des Lebens

Vergilben Dornen und die Blüte blättert

Und blühendes Bemühn und Drohen sind vergebens.

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Komm, wilde Rose, sei du mein Leben!

Dir will ich alles Vergebliche geben

Will dir Treue und Liebe geloben.

Dann sei Dornen und Blüten,

In dir Nesten und Brüten

Wie ich aufgehoben.

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Und es vergeht ein Tag mir sinnentleert

Wenn du ins Gegenteil verkehrt

Die Wurzeln leugnest und den Strauch verklärst

Als ob du Ende ohne Anfang wärst!

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Komm, wilde Rose! Sei du mein Leben!

Dir will ich alles Vergebliche geben

Will dir Treue und Liebe geloben

Und es sei Dornen und Blüten

In dir Nesten und Brüten

Wie ich aufgehoben.

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An manchen Tagen fühle ich die Schwere

Auch schon der Luft in allen deinen Zweigen.

An solchen Tagen muss noch mehr verblühen

Und ich will nur und kann nicht:

Kann nicht schweigen.

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Das wöchentliche Gedicht – neunzehnte Sendung

 

Dichterherbst

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Totes Grab im Morgennebel

Dichterherbst stellt sich ihm vor

Sinken Blumen eilig nieder

Öffnet sich das Friedhofstor.

 

Raschelt leis das Laub der Bäume

Betet still die graue Zeit.

Nur der Dichterherbst will leben

Alles sonst zum Tod bereit.

 

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Totales Handeln

Das unfassbare Durcheinander von Zahlen, Maßnahmen und Einschätzungen bezüglich des Corona-Virus ist ein Spiegel unserer Zeit. Dahinter steht dieselbe extreme Wissenschaftshörigkeit wie in Sachen Klima, gesteuert von einer ähnlich einseitigen und übertheoretischen Denkweise der bemühten Experten, die ins Chaos mündet, sobald sie sich am Tatsächlichen erprobt. Die aktuelle, derart fundierte Politik jenseits vernünftigen Abwägens und pragmatischen Handelns ist klimatisch sozusagen sorgfältig eingeschliffen: und die dazu gehörende, geschürte Klimahysterie hat den vermeintlichen Bedarf totalen Handelns im Pandemie-Überwahn vorgeprägt.

Zugleich wird hier das heraufdämmernde Ende des wissenschaftlichen Zeitalters offenbar, das in genau dem Moment versagt, da Wissenschaft nicht mehr erfolgsorientiert konkurriert, sondern „alternativlos“ durchregiert. Das kindliche Gehabe, in dem das geschieht, und die kindliche Gläubigkeit, die dem zugrunde liegt, offenbart die Sehnsucht nach der Rückkehr in einfache Weltzusammenhänge. Und die allfällige Romantisierung von Natur verhehlt nur schlecht die wahnhafte, kollektivistische, religiöse Tiefenkomponente.

Mit anderen Worten: wir gehen schwierigen und harten Zeiten entgegen! Denn wo der Verstand sich irrationalen Vorgaben andient und beugt, da zählt das einzelne Leben nicht mehr viel…

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17.05.2020

Das wöchentliche Gedicht – achtzehnte Sendung

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Narrentanz

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Tanzt, Freunde, selig weiter nach den Geigen,

Die euch der Himmel eurer Kleinheit sind,

Dreht euch in ehrfurchtsvollem Schweigen,

Charakterlos, gehorsam, blind.

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Erbrecht die Siegel nur des Altbekannten,

Wähnt euch Besitzer hoher Geisteskraft!

Die so wie ihr das Glück bloß in der Masse fanden:

Man fand sie, alt geworden, stets in Einzelhaft.

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Tag der Befreiung? Tag des Glücks!

Wie ist er letztendlich zu würdigen, der heutige 75. Jahrestag der deutschen Kapitulation? Als Jubiläum der Niederlage oder einer Befreiung? Durch die Medien rauscht seit Tagen der gewohnte Meinungswind: ein jeder trägt bei, was er glaubt beitragen zu können oder zu müssen. Da wird grob geklotzt oder differenziert, jeweils auf Jota komm raus, und es gibt den abgeklärten Blick, die vermittelnde, versöhnende Geste, den Brückenbauversuch, wie angemessen bzw. obszön auch immer…

Dabei ist alles ganz einfach! An jenem 8. Mai 1945 streckte die Wehrmacht die Waffen, die dem Nazi-Regime weitestgehend die Treue gehalten hatte, und überließ die deutsche Bevölkerung, die das Regime weitestgehend fanatisch verehrt hatte, der Obhut der Sieger. Das hatte zur Folge, dass jene, die unter der Schreckensherrschaft der Deutschen und ihrer National-Sozialisten gelitten und mit dem Leben davongekommen waren, frei wurden, während die deutschen Peiniger und ihre Ermöglicher durch die militärische Niederlage erst einmal unfrei wurden.

Es ist aber noch viel einfacher! Denn angesichts des ungeheuren Leids, das die Deutschen und ihre Schergen so vielen Menschen zugefügt hatten, markiert jener 8. Mai 1945 den Zeitpunkt, ab dem kein neues Leid mehr hinzugefügt werden konnte. Und deshalb ist dies ein Tag des Glücks!

Die Frage, ob der 8. Mai 1945 darüber hinaus Befreiung oder Niederlage bedeutete, ist völlig falsch gestellt. Denn es darf bei diesem Datum nicht um die Täter gehen – und es ist schlicht egal, ob wir Deutschen an diesem Tag vielleicht auch ein bisschen mitbefreit wurden. Um es ganz klar zu sagen: Auch solange das von Deutschen massenhaft zugefügte, unermessliche Leid in den Folgegenerationen noch wirksam ist, verbietet sich jede deutsche Selbstreflexion, die auf moralisches Wohl und Wehe aus ist.

Im Angesicht des Furchtbaren verdient die Täterbefindlichkeit keinerlei Zuwendung. Allein die Glücksperspektive der Leidenden zählt.

Trotzdem oder auch gerade deshalb ein Wort noch zur Frage von Befreiung oder Niederlage: Selbstverständlich handelte es sich bei der deutschen Kapitulation um eine Niederlage, das ist so banal wie überflüssig zu diskutieren. Tatsächlich jedoch erlitten die Deutschen am 8. Mai 1945 eine moralische Vernichtung, von der sie sich bis zum heutigen Tag so wenig erholt haben wie ihre Opfer vom zugefügten Leid.

Es würde den Deutschen gut tun, über all das intensiver nachzudenken. Es könnte auch helfen, die neuerlich erwachte deutsche Überheblichkeit zu kurieren.

8.5.2020

(B)LOGBUCH – 2.5.2020

Symptome systematischer Schwäche

Wie erleben ein beispielloses Durcheinander an Meinungen und Maßnahmen – nicht so sehr auf dem Hintergrund des Vagen und Ungewissen im Umfeld der neuartigen Viruserkrankung und ihrer Ausbreitung, sondern auf dem Hintergrund flagranter Hilflosigkeit: Gesellschaft und Politik tun sich im Querschnitt  schwer, angemessen auf die Herausforderungen zu reagieren, ja sie adäquat zu begreifen. Statt mit Einsichten wird mit Ansichten hantiert, als gelte es, damit vor allem die Meinungsführerschaft zu erringen, entlang von Kommunikationstechniken, die im allgemeinen Wohlstand über die Jahre kulturell bedeutsamer geworden sind als die jeweilige Realität.

Der Versuch der Rückkehr von kulturell aufgeladenen Formen zu realen Inhalten wird gar nicht erst unternommen. Vielmehr wird versucht, entlang eingeübter Gewohnheiten, die aus dem Ruder gelaufene Realität der vorherrschenden Kulturtechnik anzupassen – und  den extrem schnell wechselnden Lagen kommunikativ zu entsprechen. Die Unfähigkeit, sie tatkräftig in Angriff zu nehmen, wird davon nicht geringer.

Was hier sichtbar wird, ist klassische Degeneration, ist die Preisgabe von Werten und essentiellen Haltepunkten. Wenn Politik und Gesellschaft, grob ausgedrückt, an Schönfärberei und Latrinenparolen mehr interessiert sind als am Aushalten von Wirklichkeit, so schmerzvoll das immer sein mag, dann fehlt es an Kraft, der Wirklichkeit aufzuhelfen.

Die Zeichen stehen schlecht, dass die nötige Kehrtwende noch gelingt. Es sieht eher danach aus, als würde die allgemeine Kopflosigkeit vollends überhand nehmen. Wenn das so ist, dann wird die geschürte schwächliche Hoffnung auf einen flachen Verlauf der Krise durch immer stärkere Folgekrisen ad absurdum geführt.

 

(B)LOGBUCH – 1. 5. 2020

Kakophonie in Sachen Corona

Wissenschaftler anzuhören, ist meist von Vorteil – auf sie zu hören, häufig fatal.

Denn ein Wissenschaftler erlangt und vermittelt in seiner Arbeit letztlich keinen Aufschluss über die Welt. Seine Erkenntnisse sind rein auf das System bezogen, innerhalb dessen er arbeitet, nicht auf die reale Welt und die menschliche Sphäre.

Die Wissenschaft gleicht darin der Religion, die ebenfalls ihre eigenen Theoreme bedient und von aller Welt abgehoben agiert. Darum führen sich etliche Wissenschaftler auch wie Hohepriester auf oder werden wie Gurus verehrt.

Das Schaffen wissenschaftlicher Geister gleicht insofern dem Schaffen des ewigen Talents und führt in die Enge und Skurrilität allen Spezialistentums. Meister dagegen sind universell, auch solche des Handwerks, und zeichnen sich durch Weltwissen aus – woher sie die entscheidenden Impulse für ihre Arbeit beziehen, zu unser aller Nutzen.

Meister sind schon in jungen Jahren erkennbar. Talent und Meister unterscheiden sich nicht graduell, sondern kategorisch.

(B)LOGBUCH – 28. 4. 2020

Wer sich daran erinnert, wie unglaublich es sich anfühlte, wenn ein anderes Kind am selben Tag Geburtstag hatte wie man selbst, der hat eine Ahnung davon, warum man anderes Leben im Weltraum für so wenig wahrscheinlich hält und es doch für wahrscheinlich nehmen sollte.