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Kategorie: Allgemein

Pause zu Neujahr

Allen Lesern ein gutes neues Jahr in Frieden und Freiheit! Mögen die flammenden Zeichen am Horizont noch 2022 dorthin ziehen, wo sie herkamen, zurück also in die pubertär überhitzten Seelen, die jene Weltuntergangsphantasmen geboren und aufgepäppelt haben, durch die das ganze Abendland ins Wanken gebracht worden ist. Das B(LOG)BUCH nimmt sich nun eine kleine Pause, bis etwa Ende Januar. Bis dahin, Freunde des Lichts!

Lyrischer Gruß zum Jahreswechsel – 31.12.2001

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Wartet nur balde

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Zeit um öde Zeit vergeht – und wach und stille

Wartet unser wahn- und zwangsgebeugter Wille,

Kreist um Menschen, Bilder, Impressionen,

Augenblicke stehlend, die das Wachsein lohnen,

 

Die es nähren und befruchten unvermerkt,

Was das Warten selbst in Gegenwarten stärkt!

Derweil schmatzt die alte Zeit begierig alles leer.

Nicht ein wacher Augenblick bleibt uns bald mehr…

 

Darum harren wir bloß kurz noch aus: bis brausend

Heilig Sinn herniederfährt ins angefangene Jahrtausend,

Bis die kalte, alte Gegenwart der Zukunft weicht

Und durch uns ihr lang ersehntes Ziel erreicht.

copyright 2022 Alexander Hans Gusovius

Lyrische Reflexion zwischen den Jahren, Dezember 2021

 

 

Wahrwerdung

 

Was, Mensch, wenn Gottes Wille deiner ist?

Was, wenn du hell wie Jesus Christus bist,

Was, wenn dem Heilgen Geist du sagst,

Wie leichthin du ihn überragst?

 

Dann, Mensch, hast du dich nicht verloren!

Dann bist zur Gänze du erst eingeboren,

Dann ist Dreifaltigkeit wahrhaft in dir geeint,

Und das geworden, was allein sie meint:

 

Ein überhohes Bild von Körper, Seele, Geist…

Das aus der Tiefe deines Seins sich speist,

Ein Bild, das demiurgisch dich erhellt,

Inmitten faktisch-transzendenter Welt.

 

© 2021 Alexander Hans Gusovius

Poetischer Weihnachtsgruß zum 24.12.2021

 

Himmelsfahrt

 

Es ward wieder Weihnacht, ein Komet

Erschien im Norden, zog gen Westen

Und suchte unter uns die Besten,

Zu künden, wenn die Nacht vergeht,

Dass neuer Geist die Welt bewegt.

 

Kein kindlich Wesen war damit gesagt,

Doch starkes Selbstsein! Dass es lebe,

Und aus dem Seelenschlaf sich hebe,

In dem es allzu lange tief verzagt,

Klügelnd sich selber hinterfragt.

 

Aufzuerstehn, wie neugeboren,

Solch Welt der Zukunft froh zu dienen,

Zu springen aus den engen Schienen,

Darin das Selbst fast ging verloren:

Kaum einer fühlte sich dazu erkoren.

 

Die wenigen, die sich aufmachten,

Voll Wagemut und Leidenschaft,

Belohnte bald die stille Kraft,

Mit der sie fühlten, in eins dachten,

Und aus dem Kerker ihrer Zeit erwachten.

 

Ein selig Fest ist uns davon gegeben,

Voll Zuversicht, dass wir uns ganz gehören!

Wollt Treue jenem Selbstsein schwören,

Das einst als Kindlein trat in unser Leben,

Um nun in reinem Licht zu schweben.

 

© 2021 Alexander Hans Gusovius

Lyrischer Rat 21.12.21

 

 

Krankenbett

 

Darfst dich den Leiden deiner Lieben nie ergeben:

Und wenn sie noch so arg darniederliegen.

 

Egal, welche Gefühle dich durchwühlen,

Halte Distanz, wisse dein Ich zu kühlen.

 

Sollst vielmehr hoch und höher fliegen,

Um dort in ihrem Sinne froh zu leben,

Und, was sie quält, kühn zu besiegen.

 

 

© 2021 Alexander Hans Gusovius

Lyrische Kampfansage 14.12.2021

 

 

Wiedertäufer

 

Ich saß – leer war mein Blick, mutlos mein Sinn –

Am Küchentisch mit aufgestütztem Kinn

Den Blick zur überfüllten Gasse hin gerichtet,

In der ich ewig keine Seele mehr gesichtet.

 

Erst sog man Kinder leer: und weh, wie gern

Gaben‘s die Eltern zu, dem roten Wiedertäufer-Stern

Willfahrend, dem im Wahn sie sich verschworen,

Bis dialektisch ausgezehrt, seelisch verloren

 

Sie auch hinsanken. Ach, wie lang ist‘s her,

Und seither spiegeln ihre Körper sich nicht mehr,

Statt Herzblut pumpt Bitumen durch den Leib!

Untote schwärmen aus: Mann, Kind und Weib…

 

Hoch an der Zeit, endlich zu künden

Der revolutionären Wiedertäufer Sünden!

Die bohrend seelenlosen Opfer äffen mich!

Kein weiteres Vergehen dulde ich!

 

Schon drängeln sich vor meinem Küchenfenster,

Elf rot besternte, grünlich leuchtende Gespenster.

Sie laden ernst zu diskursiven Diskussionen,

Die mich mit kollektivem Glücksgefühl belohnen.

 

Dank solcher Phrasen fällt es nicht mehr schwer,

Zu sammeln mich zu transzendenter Gegenwehr,

Um Worte, die im Anfang waren, faktisch neu zu sagen

Und jenen damit stofflos Pflöcke einzuschlagen.

 

Denn das tut bitter not, vorweg! Dann will ich singen

Von wissend ahnendem, gefühltem Ringen

Um Gottes Wesen unserer Bewusstseinswelt,

Was Wiedertäufern schier das Hirn zerspellt.

 

Kaum höre ich, inbrünstig wahr, zu singen auf,

Schon rieseln draußen Untote zuhauf

Staubig zuboden, grün als Dünger neu geboren.

Die roten Wiedertäufer haben ihre Macht verloren!

 

© 2021 Alexander Hans Gusovius

Lyrischer Moment – 7.12. 2021

 

 

Nichts

 

Altes zerbricht,

Neues ist nicht

In Sicht.

 

Altes schwindet

Neues ist

Unergründet.

 

Altes stirbt,

Neues müßig

Verdirbt.

 

Altes geht

Neues kommt viel

Zu spät.

 

Altes verweht

Neues gar nicht

Entsteht.

 

Altes geschichtet

Neues flieht

Unverrichtet.

 

Das Nichts

Nichtet….

 

 

© 2021 Alexander Hans Gusovius

Lyrischer Moment 30.11.2021

 

Der Kranz

 

Nun kreise ich, dem Ende ewig nah,

Um Impressionen, die nicht trügen,

Um Bilder, die mich nicht belügen,

Um Leben, wie es keiner sah.

 

Ein Kranz aus Wahrheit rankte sich um mich,

Den fröhlich forschend ich durchreiste,

Da sich so vieles aus ihm speiste,

Das engsten Schicksalsfragen glich.

 

Jetzt will ich noch mit frischem Sinn

Die ganzen Schicksalswälder roden,

Dass neuer, selbstbestimmter Boden

Uns trägt zu Taos Weisheit hin.

 

 

© 2021 Alexander Hans Gusovius

Lyrische Erhellung 23.11.2021

 

 

Lange her

 

Den Freund, der heimlich von dir weicht,

Hast du vor Jahren schon verloren.

Was jetzt sein totes Herz beschleicht,

Ist nicht vor kurzem erst geboren.

 

Gräme dich nicht, gib gern ihn frei,

Damit sein Oh und Ach verhalle,

Auf dass sein stummes Wehgeschrei,

Nicht laut durch deine Seele schalle!

 

Ein Freund indes, der rüde dich belästigt,

Ist wahrhaft niemals Freund gewesen:

Seit jeher seelisch ungefestigt,

Will er sich so die Messe lesen.

 

Lug, Trug und Hass, die ihn begleiten,

In steter Niedertracht mit sich allein,

Hofft er dämonisch auf dich abzuleiten,

Um endlich stark wie du zu sein.

 

Verwandle solche Freunde rasch in Luft,

Die Schleicher wie auch die Dämonen.

In ihrem Pest-und-Schwefel-Duft,

Kannst du nicht bei dir selber wohnen.

 

 

© 2021 Alexander Hans Gusovius

Lyrische Erholung 16.11.2021

 

Anderzeit

 

Das Geläute der Meute hallt durch den Wald.

Die Beute: sechs weißer Hindinnen Fell.

Elf Jäger folgen der Hunde Gebell.

 

Sieben zu häuten ist ihr Begehr. Da ruft

Der jüngste der Jäger voll Freuden:

„Weiße Hirschkuh voraus“! Und hebt sein Gewehr.

 

Die weiße Gestalt aber flieht der Gewalt.

Auf ihrer schwankend flüchtenden Kruppe

Krallt sich ins Vlies eine kindliche Puppe.

 

Da findet die Hindin im Fels einen Spalt.

Legt nieder das Kind zwischen welkendes Laub,

Im Moder zu finden bergenden Halt,

 

Und springt auf und davon. Doch schon knallt

Ein Gewehrschuss im Wald, der sie streckt.

In großen Strömen das Blut aus ihr leckt.

 

„Ho, ho, Horrido“, ruft der jüngste der Jäger,

Seines Schusses gewiss aufs weißblonde Vlies.

Doch als er sich nähert, wird sein Schritt immer träger:

 

Eine weißblonde Holde verblutet im Hain!

Und mit ersterbender Stimme sagt sie noch dies:

„Rette das Kind, sein Vater du bist…“

 

Der Jungjäger nickt, er weiß, wer sie ist,

Und findet sein Kind im Spalt hilflos liegen.

Nicht länger kann er die Tränen besiegen.

 

Er nimmt das Kind hoch, eine weißblonde Maid.

Sie herzend und drückend und weinend er spricht:

„Ich nahm dir die Mutter und muss dafür büßen!

 

Wie bitter wirst du mein Leben versüßen,

Ich sah, wie Hermines Augenlicht bricht.

Die mir alles gegeben, ich erkannte sie nicht!“

 

 

© 2021 Alexander Hans Gusovius