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Autor: Alexander

Weiter denken – 7. April 2021

Immer wieder entsteht gefühlter Anlass, etwas zu denken. Immer wieder gehe ich dem nach und entdecke hunderte dazu passende Gedanken, die ich mir tausende Male innerlich aus­spreche und gelegentlich notiere. So wer­den Ge­fühle zu Gedanken, Gedanken zu Sät­z­en – und erwächst aus einer Unmenge von Sätzen zuletzt ein einziger, den festzuhalten lohnt: wenn er aus der Masse der Nachbarsätze so vertraut herausragt, dass ich imstande bin, ihm Gestalt zu verleihen. Daraus erhellt, warum umso mehr Leben umso mehr unbändige Anar­chie zur Grundlage hat – und je mehr Form je mehr Versteinerung bedeutet: Form, in hunderten Schritten erarbeitet, löst sich im ersten Schritt schon vom anarchischen Willen, der über hunderte Wege das Ursprungsgefühl verfolgen hieß, immer nur nebenher Gestalt gebend, gerade so viel wie benötigt. In der Starre der idealen Endgestalt muss die Unbändigkeit des Ursprungs dennoch pulsierend enthalten und auch zu erfassen sein.

Gedanken zu Ostern 2021

In Nietzsche begegnet uns eine klassische Christus-Wie­der­kehr. Sehr zeitgemäß berührt uns sein Ende im Wahnsinn, der die schmückende Dornenkrone im Kreuzigungstod vertritt, geknüpft an Visionen des Kommenden. Wie Christus sucht Nietzsche die Konsolidierung seiner Person im Spi­rituellen, geht faktisch unter und steigt symbolisch auf, das eigene Leben not­wendig opfernd, indem er es in Höheres einband.

Mit Nietzsche ist jedoch zeitgleich die weltantike Allegorie vom Opfertod in überpersönlicher Mystifikation beendet. Wo die Sehnsucht nach Gott nicht mehr fleischlich empfunden wird, sondern geistig inkarniert sein will, ist leiblicher Untergang sinnlos. Nietzsches Wahnsinn als geistiger Tod markiert insofern das Ende, aber auch einen Neubeginn; von nun an regiert der Wahnsinn! Darum auch walten Angst und Hybris, nicht Krieg und Kampf bei den Verwaltern der Zeit und in der verwalteten Gemeinschaft: in diesen Tagen aufs trivialste anzuschauen! Geistige Auslöschung ist nun das Ziel, nicht mehr die leibliche Vernichtung…

Weiter denken – 23. März 2021

Beim momentanen politischen Geschehen könnte es sich, als Gedankenspiel konjunktivisch formuliert, entgegen aller Bizarrerie nicht bloß um Pannen, sondern um einen kalten Putsch handeln, um vorrevolutionäre  Schritte, die der Vorbereitung auf die komplette Umwertung unserer demokratischen Werte dienen würden.  Wenn dem so wäre, läge es an unser aller eklatanten Versäumnissen, aber auch an spezifischen Mängeln der freiheitlich verfassten Lebenswelt. 

Von Mal zu Mal sähe sich demnach die verfasste Freiheit in unseren Tagen härter angegriffen, ohne anders als stets nur irritiert und widerstandslos darauf zu reagieren. Denn sie würde den Angriff nicht orten können, sie wäre gegen Wert- und Wortverdrehungen nicht gut gerüstet und würde vom institutionellen Grundvertrauen, das wir in sie setzten, sogar noch geschwächt. Ihre sehr formelle, liberale Funktionsweise wäre ihre Achillesferse. 

Und so zöge Schritt für Schritt eine neue Wirklichkeit ein, die das Tor für politische Anmaßung und politischen Missbrauch ganz weit öffnete. Unsere Schwäche, die verfasste Freiheit für grundsätzlich unanfechtbar zu halten und nicht verinnerlicht zu haben, dass sie fortwährend neu erstritten werden müsste, um ihren starren Liberalismus auszugleichen, höbe das Tor vollends aus den Angeln. Es wieder zu schließen, würde unendliche Mühen kosten und hohen Blutzoll erfordern. 

Eines fernen Tages könnte es dennoch soweit sein. 

Bis dahin aber würden wir bitter am revolutionären Unwesen zu leiden haben, das noch bizarrer, ungestalter und unfähiger daherkäme als die bereits sehr plumpen vorrevolutionären Angriffe. Um die klaffenden Abgründe der Revolution zuzudecken, würde grotesk gelogen werden, und man würde jede Kritik, sogar jeden Zweifel daran gnadenlos ahnden. 

Die etwas leichtfertige Partystimmung der letzten zwanzig Jahre ist jedenfalls vorbei, besiegt durch heute schon zu besichtigende revolutionäre Sauertöpfigkeit und moralisches Scharfrichtertum… So viel ist auch im Indikativ sicher!

Weiter denken – 17. März 2021

In Zeiten von Corona wird massenhaft geredet, kommuniziert, gepostet. Es zeigt sich jedoch, dass zu vieles in den Köpfen ebenso redundant wie zusammenhanglos herumgeistert und unverarbeitet bleibt. Hier und da gelingt eine konsistentere Sichtweise, wird aber nach Laune ausgewechselt, geht bruchlos über in eine andere, so dass kaum jemand wirklich imstande ist, starke Positionen aufzubauen. Es hat aber auch kaum einer Lust dazu. Man will einfach nur reden – und herrschen…

Zweiter Merksatz – 10. März 2020

Alle Kunst ist leidgeboren.

Nein, nicht die von documenta & Co, also keine blauen Leinwände oder mit Menstruationsblut „gemalten“ Bilder, so wenig wie jene theoretischen, kakophonischen Lautsequenzen, die man vergeblich zu Musik erklärt! Mag zwar sein, dass der Entstehung auch mancher dieser kopflastigen Werke irgendein Leid zugrunde liegt, passend wären hier Kopfschmerzen: doch ist das vom Merksatz weder erfasst noch gemeint.

Worum es hier geht, ist der Zusammenhang zwischen dem bedeutungsvollen, beispielhaften Sinnsuchen und -stiften in Leben und Werk, geboren aus der leidvoll erfahrenen Spannung, die zwischen gelebter Lüge und zu lebender Wahrheit anliegt. Und spricht man hier im Ergebnis von Kunst, so versteht sich von selbst, dass die im Werk komprimierte Bedeutung, gleichgültig ob mehrheitlich erfühlt oder erdacht, immer und ausschließlich dem Erleiden eines Individuums entspringt, das sich im schmerzhaften Kontrast zur Außenwelt abspielte und im künstlerischen Erschaffen des Werks bis hin zu seiner kollektiven Inbesitznahme heilende Wirkung entfaltet. Anders ist die Geburt, ist überhaupt die Existenz von Kunstwerken nicht zu denken.

Halten wir fest: Kunst lebt davon, dass sie ähnlich dem Entstehen von Diamanten unter extremem Druck in die Welt findet, und erhält hiervon ihren magischen Glanz und ihre höhere Bedeutung. Alles andere, wie oben angedeutet, ist billige Massenware und ohne lebensechten Wert. Denn so verhält es sich mit allem im Leben: Was etwas wert ist, wurde unter Schmerzen erworben.

Wenn wir in diesen Tagen erleben, wie leichtsinnig Werte verschleudert werden, die meist in leidvoller Mühe über lange Zeiträume hart erarbeitet, aber seit ein paar Jahren fast nur noch verhöhnt wurden, dann begreift man, dass die Relativierung und Destruktion der wahren Kunstwerke durch den Popanz von documenta & Co der Zertrümmerung der freiheitlichen Werte nicht bloß voranging, sondern sie planvoll ermöglichte – und dass jeder, der sich an solcher Entwertung beteiligte, aktiv oder passiv, damit die eigene Entwertung betrieb.

Anders gesagt: Wer glaubt, dass Kunst leichthin und gänzlich mühelos zu erschaffen sei, der glaubt auch, dass man unsere entwickelten Gesellschaften mit ein paar Handgriffen in ein ökologisches Phantasialand verwandeln kann. Gespensterhafte Leere und unsagbares Elend werden die Folge davon sein – und leidvoller Anlass zu atemberaubender, neuer Kunst.

Erster Merksatz – 3. März 2021

Alle Probleme sind hausgemacht!

Sie sind Teil der ureigenen dynamischen Historie, individuell wie kollektiv.

Warum? Weil man sich als Mensch seine Schwierigkeiten selber zulegt, ähnlich einem lebensverengenden Sparkonto, das uns am übertriebenen Geldausgeben hindern soll. In der gleichen Weise sind Krankheiten und dergleichen vor allem dazu da, sich an der ungebremsten Verfolgung einseitiger, in die Irre führender Ziele zu hindern. Eine Morallehre, soweit sie davon inspiriert ist, verdient ihren Namen.

Da alle Probleme hausgemacht sind, eben auch kollektiv, gibt es darüber hinaus leider kein Problem auf der Welt, das man selber nicht auch hätte. Ob man es will oder nicht, ist man eingebunden in übergeordnete dynamische Prozesse, familiär und stammesbezogen, national und international, und ihren harten Pendelschwüngen ausgesetzt.

Im großen Rahmen ist man insofern auch als Opponent von herben Fehlentwicklungen Teil der Problemstellung. Genau hingeschaut, wird man sogar Einfärbungen des Problematischen in sich entdecken. Es ist ratsam, darum zu wissen, gerade in Zeiten wie diesen.

Weiter denken: 23. Februar 2021

In Frankreich mehren sich die Chancen von Marine Le Pen, bei der nächsten Gelegenheit zur Präsidentin der Republik gewählt zu werden: das Unvorstellbare könnte wahr werden. Nicht nur in Frankreich, sondern überall in Europa. Man muss nicht lang darüber nachdenken, ob so etwas dann ein Ausweis politischer Exzellenz wäre oder vielmehr dem politischen Versagen der Gegenseite zuzurechnen.

Sollte es in Zukunft noch so etwas wie wirklich freie Wahlen geben, so viel erscheint klar, werden die simplen und simpelsten Botschaften der nationalen und nationalistischen Kräfte triumphieren. Keine schöne Aussicht. Allerdings stimmt die Alternative in Gestalt dessen, wovon wir heute schon täglich Vorformen erleben, ebenfalls nicht heiter. Egal wie – in der europäischen wie in der deutschen Bevölkerung steigt der nationalistische Pegel gewaltig an und verändert unsere Gesellschaften deshalb auch heute schon von innen her massiv. Niemand kann wissen, ob es überhaupt noch zu verhindern ist, dass sich das Angestaute in einen reißenden Strom verwandelt…

Die förmliche Unausweichlichkeit eines nationalistischen Erwachens, die sich in Frankreich jedenfalls ankündigt, wird nicht nur in Frankreich selbst, sondern überall in Europa die jetzt noch Regierenden darin bestärken, rechtsnationale Positionen und Personen noch mehr als bisher schon unwählbar zu machen, durch Verzerrungen und Manipulationen jeglicher Art, zuletzt auch der Wahlen selbst. So dass der totalitäre Schrecken, der auf diese Weise gebannt werden soll, durch die linke Tür Einzug hielte – und bereits hält.

Weiter denken: 16. Februar 2021

Armin Laschets Angriff auf die Kanzlerin ist hoffentlich strategisch gut eingebettet. Denn um Merkel jetzt, also noch vor der Bundestagswahl, zu stürzen, bedarf es besonderer Weitsicht, ausgeprägter Gnadenlosigkeit und eines Netzwerks aus Eingeweihten, die fähig sind, diskret und präzise zu arbeiten und ins konzertierte Risiko zu gehen. Sollte es an alldem fehlen, wird Merkel schnelle Schlüsse aus der dann nur auf Popularität zielenden Attacke ziehen und Laschet und jeden seiner Mitstreiter ihrerseits so gnadenlos abservieren, wie man es von ihr gewohnt ist. Die Bereitschaft zum Umsturz muss groß sein wie die Not, die den Umsturz unabwendbar macht. Soll der Coup gelingen, muss sich hinter Laschets biederer Miene ein Wolf verbergen.

Will das Land nicht komplett seine wirtschaftliche Zukunft und sein freiheitliches Gepräge einbüßen, ist der Zeitpunkt zum Putsch hinter den Kulissen jetzt gekommen. Die einzige Konzession wäre, Merkel ohne direkten Gesichtsverlust den scheinbar frei gewählten Rücktritt zu ermöglichen. Bleibt sie bis Herbst im Amt, führt sie Deutschland in den Abgrund. Hoffen wir, dass Laschet um all das und um seine Verantwortung weiß und imstande ist, die immer enthemmteren Zustände ihrem hochnotwendigen Ende zuzuführen.

Weiter denken: 10. Februar 2021

Die Würfel sind längst gefallen. Es wird keine Rückkehr zu den uns vertrauten, nicht einmal zu den in der Verfassung garantierten Lebensverhältnissen geben. Daran sind beileibe nicht nur diejenigen beteiligt, die erkennbar an einer perfiden Neufassung der Regularien und Lebenszusammenhänge (m)werkeln. Viel mehr Menschen webten und weben am Leichentuch der Verhältnisse: eigentlich wir alle.

Schuld daran ist unsere enorme Überdehnung der Lebensverhältnisse, die man kurz gefasst als Überhang von Ansprüchen ans Leben gegenüber der Bereitschaft, es substantiell auszufüllen, beschreiben kann. Anders ausgedrückt: es ist schon lange viel mehr gefordert als geleistet worden, es wurde weitaus mehr gewollt als gekonnt. Und zwar flächendeckend, privat wie öffentlich, politisch, wissenschaftlich, ethisch, künstlerisch und transzendent.

Aus diesem Missverhältnis von Wollen und Können, das im Wesentlichen ein elitäres Über-Bewusstsein zur Grundlage hat, wohlgemerkt in sämtlichen Bevölkerungsschichten, erwächst nun zu unserem Schrecken kein behutsames neues Austarieren, sondern ein neues, von Hass grundiertes Dürfen und Müssen – wie immer, wenn Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, besetzen rohere Kräfte die Leerstelle als jene, die sie hervorbrachten.

Und so ist die Zeit der brachial simplen Botschaften angebrochen, vorerst; denn schon sind auch die Folterwerkzeuge der Unfreiheit zu erkennen, Ziel und Zweck aller Simplizität. Indem wir es unterließen, hinreichend große Anstrengungen zu unternehmen, das freie, komplexe Leben zu höherer Blüte zu bringen, schlichen sich die Hasser und Peiniger ins verödende Terrain.

Ohnedies ist ihnen keine Mühe zu groß, ihre Herrschsucht ins Bild zu setzen. Die Bilder behaglicherer Vergangenheit tangieren sie dabei kein bisschen, sie taugen ihnen allenfalls als konturierendes Gegenmodell für ihre marternden Pläne. Genau aus diesem Grund hat auch kein Verfassungsartikel vor dem Furor ihrer vermassenden Umgestaltungsideen Bestand. Im Gegenteil. Je individueller und unantastbarer etwas zu sein scheint, je mehr reizt es sie.

Machen wir uns daher auf einiges gefasst. An seelischer Monstrosität, Infamie und Niedertracht werden die kommenden Zeiten viel zu bieten haben. Auch an leiblicher Pein. Begreifen wir endlich, dass die Zeiten viel weiter fortgeschritten sind, als wir glauben. Verlassen wir uns vor allem nicht auf unsere individuellen Rechte, die unserer Nachlässigkeit wegen niemanden mehr zu schützen vermögen!

Es wird viel Einsatz brauchen, das verlorene Terrain zurückzugewinnen, einigen Mut und jede Menge guter Ideen. Je mehr wir von allem aufwenden, je eher wird die Rückkehr in ein Leben in Freiheit und Würde gelingen: anders als gewohnt zwar, doch uns als individuell so sehr begabten Menschen gemäß. Machen wir uns ans Werk!

Weiter denken: 3. Februar 2021

Es ist schon jetzt absehbar, dass die Corona-Notverordnungen in Klima-Notverordnungen umgewandelt werden. Und dann wird es endgültig richtig übel, was sich da vor bzw. über uns zusammenbraut. Möglichkeiten gibt es genug: totaler Wirtschaftscrash, Blackout über Tage und sogar Wochen inkl. Zusammenbruch der bürgerlichen Ordnung (wahlweise portionsweises Abwickeln der bürgerlichen Lebenswelten durch permanente Stromrationierung), verbissene Ökodiktatur (am wahrscheinlichsten), Revolten, Anarchie, Rechtsrevolution… Ganz weit vorn in der Verfertigung tiefsten Elends, das über uns hereinbrechen wird, liegen unübersehbar Merkel und von der Leyen, die unverhohlen am Umbau Deutschlands und Europas werkeln, letzteres wieder mal nach deutschem Vorbild, assistiert von einer willfährigen Presse, die mit ihnen auf orgiastische Weltverbesserung aus ist. Ob irgendwem dämmert, mit wieviel Dynamit da gespielt wird, bezweifle ich. Man ist so besoffen von der Mission wie einst die national Durchgeglühten, dass sie es erst merken, wenn uns der ganze Laden um die Ohren fliegt. Und da jetzt noch die USA mitmachen, geht es wirklich um den ganzen Laden.