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Autor: Alexander

(B)LOGBUCH – 24. 4. 2020

Halten wir es mit Thomas Carlyle: Work and despair not! Das entscheidend Schwierige: die Pestbeule der materialistischen Auffassungen als jugendliche Pickelblüte zu begreifen, menschheitsgeschichtlich gesehen, und sich vom dialektischen Eiterfluss nicht beirren zu lassen. Die sozialistische Akne geht vorbei… Anders gesagt muss aus dem bürgerlichen Zeitalter mehr zu machen sein, als seit fünfzig Jahren vorgeführt wird; allen Widerständen zum Trotz.

 

Das wöchentliche Gedicht – fünfzehnte Sendung

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Nach der Beerdigung

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Ein magres Holzkreuz steht auf ihrem Grab

Reckt seitwärts fichtenhelle Arme.

Daß doch Gott sich der erbarme,

Die mir einst mein Leben gab.

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Dunkle Erde wölbt sich, grobe Krumen

Bröckeln, liegen weit verstreut umher.

Kriechgewächse blühen niedrig kreuz und quer.

Nein, auf ihrem Grab stehn keine Blumen.

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Da lege ich den toten Blumenstrauß

Ihr für mein Leben auf ihr Grab

Und gehe schnell den Friedhofsweg hinab –

Fühlen und Denken fliehen wild und kraus.

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

(B)LOGBUCH – 18. 4. 2020

Vater, Sohn und Heiliger Geist, das ist: Weltgeist, Sprache und Logos. Und der Mensch ist der Esel, der alle drei auf seinem Rücken trägt. Auch deshalb ist er von Zeit zu Zeit so störrisch und unberechenbar…

 

Das wöchentliche Gedicht – vierzehnte Sendung

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Alt geworden

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Müde zieht das Muttertier

In Erinnerung ferner Stunden

Seinen Weg dahin.

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Müde hebt das Muttertier

Seinen Kopf:

Falten schlugen in den Hals

Grübchen senkten sich zu Gruben.

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Einsam der Mund

Erblasster Lippen

Stahlgrau die Haare über

Welker,  ungeküsster Haut.

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Als ein Kinderschrei es weckt,

Erwacht Erinnerung ferner Stunden.

Müde zieht das Muttertier

Seinen Weg dorthin.

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Das wöchentliche Gedicht – dreizehnte Sendung

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Am Grab der Eltern

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In Träumen lagernd lief ich hügelan

Zum Friedhof meiner Ahnung.

Des Vaters Stein

Wie lange tot

Entfernt und totenstumme Mahnung.

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Jan Steinmetz fügt der Mutter Namen

Gewiss hinzu.

Gehorchend Menschennot,

Genügt ein holzkreuzbeinern Amen.

Das betet krumm allein

Und mager in den Herbst hinein.

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Welches Leid liegt hier begraben

Wieviel Hoffnung, wieviel Scham

Wieviel Geist und Seelengaben

Liegt beerdigt und ich lebe

Wie ich kam –

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Und kehre um und laufe fort

Jeder Schritt noch wie im Traum bekannt.

Doch bald verläßt die Ahnung mich.

Dort fand

Die Gegenwart mir Sinn und Satz und Wort:

Ich wachte auf und stand.

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Aufstieg der Kleinbürger

Manchen wundert’s, dass Journalisten immer staatstragender agitieren und ihrem journalistischen Auftrag des neutralen Berichtens und auch Hinterfragens politischer Prozesse kaum mehr nachkommen, sondern stattdessen politische Inhalte selber ausformen und befördern. Dahinter steckt jedoch nichts anderes als der unbeugsame Aufstiegswille des deutschen Kleinbürgers: Politiker mutieren zu Großfinanziers, Journalisten zu Politikern, Privatleute zu (Internet-)Journalisten. Leider nimmt die erdrückende Überzahl der Kleinbürger im Land davon nicht ab. Einmal Schrebergärtner, immer Schrebergärtner…

7.04.2020

Lexikon der Gegenwart

Mindfracking

Als Mindfracking bezeichnet man das Ausquetschen weitgehend verödeter Hirnregionen, um trotz fehlender Einsicht in ein Thema möglichst plakative Ansichten zu generieren und diese anschließend maximal penetrant zu kommunizieren. Die Technik wird umso häufiger angewandt, je unübersichtlicher eine Thematik ist, insbesondere Weltrettungs- und Gesundheitsfragen betreffend. Die besten Ergebnisse werden bei solider Halb- und Viertelbildung erzielt. Mindfracking ist jedoch über die gesamte Bevölkerung breit verteilt und tritt häufig bereits im Kindesalter auf (siehe hierzu: FFF).

Mein Gedicht der Woche: Zwölfte Sendung

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Spurensuche

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Wo abends Frosch und Ente quarren

Bei jenem Dorfe zwischen Seen

Wo alte Bootsanleger knarren

Wo Schilf wiegt, wenn sacht Winde wehen

Dort spürst du noch den Hauch der Zeit

Der uns so schmerzlich fehlt – Vergangenheit.

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Im Wald ein Rauschen alter Bäume

Gesumm und Surren, spätes Sommerlicht

Berühren und betrüben dich wie Träume

Von fern, wenn deine Seele Wahrheit spricht.

Hier spürst du noch den Hauch der Zeit,

Der uns so schmerzlich fehlt – Vergangenheit.

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Doch lässt du Wald und See einmal zurück

Und sprichst von dem, was du gesehen.

Wie schwer wird dir der Menschen Blick

Der sagt, dass sie dich nicht verstehen.

In diesem Blick, unnahbar, eitel, hart

Liegt alle Zukunftsdüsternis – der Gegenwart.

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Koinzidenz

26. März 2020

Schon seltsam bzw. bezeichnend, dass Covid-19 im Ernstfall die freie Atmung beeinträchtigt, während die gesellschaftlichen und politischen Hauptentwicklungslinien uns zunehmend die Luft zum freien Atmen nehmen. Krankheiten greifen immer da an, wo wir ohnedies schwach sind!