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Autor: Alexander

Gedanken: 2. Dezember 2020

Die gesamte Neuzeit hat sich überlebt, wir stehen vor ihren Trümmern. Auch ihre großen Kunstwerke und Gedanken haben sich überlebt. Die großen Geister seit der Renaissance erreichen uns noch, sind aber in vergangene Ferne gerückt. Aus der Epoche der Aufklärung ist alles, das wir lieben, erwachsen, doch hat auch der Trümmerhaufen, den wir jetzt beobachten, sich in ihr auftürmen können. Es braucht einen neuen zentralen Gedanken, einen neuen Idealismus, der dem Menschen seine ihm innewohnende Freiheit bewusst macht und es mittels feinster Rationalität nicht nur mit der verbildeten Vernunft des Menschen, sondern auch mit seinen religiösen Trieben aufnehmen kann!

Gedanke der Woche: 25. November 2020

Bis in unsere Tage schlugen die Künstler, Priester der Neuzeit, eine Brücke zwischen Fühlen und Denken. Was das Gefühl dem Ver­stand entgegensetzte und umgekehrt, das überwand das Kunst­werk – immer dann in die Welt tretend, wenn Wi­der­sprüche zerstörerisch wurden. Die Kunst war wie ein Lichtbogen, aus tiefster menschlicher Spannung gespeist, spie­lerisch die Welt erhellend. Inzwischen vermag kein Künstler mehr der Welt diesen Dienst zu erweisen. Gefühl und Ver­stand sind nun selber der Span­nungsbogen, aus dem der Mensch lebt und sich die Welt selbst erhellt. Es ist sein Bewusstsein, das den neuen Dienst versieht. Für die Kunst heißt das, dass sie dadurch ganz zu ihrem spielerischen Recht kommt und frei den Widerpart bildet zum metaphysischen Vertrauen, in dem das Bewusstsein gründet.

Gedanke der Woche: 18. November 2020

Allem, das lebt oder unbelebt ist, wohnt ein zukünftiges Sein inne, das seine Wesensart ausmacht und seine dynamische Richtung steuert. Die Menschen haben das schon immer diffus wahrgenommen bzw. stark empfunden. Wer mag, kann es auch heute noch als göttliches Prinzip verstehen, es Gott nennen und, sich versenkend, seine Gebete dorthin richten, um frei von bewusstem Denken sich gläubig entlang der Kräfte des Künftigen auszurichten und Entwicklungen der Vergangenheit neu zu ordnen. Solches Begegnen mit Gott kommt indessen ans Ende, wo zum Ausrichten des Künftigen das bewusste Denken, einst dynamische Zukunftsverheißung,  unverzichtbar ist. Es bedarf dann des wissenden, selbstverantwortlichen Blicks und des vollbewussten Ausrichtens, um eine weitere, dynamische Ebene zukünftigen Seins zu erreichen bzw. auszufüllen.

Gedanke der Woche: 11. November 2020

Was wir in diesen Tagen, Wochen und Monaten erleben, ist das Resultat einer enormen geistig-seelischen Verelendung – nur wenige verfügen derzeit noch über ein offenes Herz und wachen Verstand. Der große Rest friert und zittert vor Angst, während andere gnadenlos herumpöbeln und uns weismachen wollen, es gebe keine Alternativen zum eingeschlagenen Weg der Freiheitsberaubung…

Teilen wir am heutigen Martinstag  daher großmütig unsere wärmenden Seelen- und Geistesmäntel mit den Frierenden und erinnern nebenbei die seelischen Falschspieler und intellektuellen Wortverdreher der Alternativlosigkeit daran, dass aus dem freigiebigen römischen Soldaten später der heilige Martin, zuvor aber noch der Bischof von Tours wurde – und dass Gänse, die seine Predigt mit ihrem Geschnatter störten, dafür bis zum heutigen Tag Anfang November auf dem Teller landen. In diesem Sinne allen einen herzhaften Gänsebraten am diesjährigen St.-Martins-Tag!

Mahnende Erinnerung

9. November 1938

Fackeln lodern in der Nacht.
Brav der Bürger hält die Wacht.
Scheiben klirren, splittern grell.
Brav der Bürger leuchtet hell.
Stiefelschritte treten hart.
Brav der Bürger lächelt zart.
Stiefelabsatz trifft brutal.
Brav der Bürger schätzt die Qual.
Blutig glitzert nachts Asphalt.
Brav der Bürger freut sich kalt.
Hexenjagd und Judenhatz?
Braven Bürgers steter Satz:
Zeitgeist befiehl wir folgen.

copyright 1987 Alexander Hans Gusovius

Gedanke der Woche: 4. November 2020

Die Geschichte des jüdisch fundierten Christentums ist die Geschichte abendländischer Seelenreife. Die seelische Erweckung ist durch Christus figuriert, der mit 33 Jahren zur geistigen Selbstfindung nicht vordrang, die das Ende der seelischen Entwicklung des Menschen markiert – und dies auch nur um den Preis seiner magischen Bedeutung, seines Mysteriums hätte tun können. Denn der Opfertod zur Auflösung aller Sünde ist nur aus der Seele kommend, die Seele befreiend und sie zur Reife bringend denkbar. Aus der körperlichen Erweckung kommend, die im antiken Griechenland ihre Bühne fand, eroberte die abendländische Welt sich den seelischen Raum, was unbeschwer­te Körperlichkeit zur Voraussetzung hatte – ganz wie der zwischen 21 und 28 Jahren zur seelischen Reife sich hinfindende, hinring­ende Mensch da schon über seinen Körper frei verfügt, der sich zwischen 14 und 21 Jahren erst aus dem kindlichen Kokon herauszwängen musste. Die geistige Findung und Reifung eines Men­schen vollzieht sich dann zwischen 28 und 35 Jahren, so dass Christus, wie es ihm als Seelenerwecker und Visionär zukommt, schon den Blick ins Geistige richten konnte. Jeder Vollender trägt den Keim zur nächsten Vollendungsstufe in sich.

Gedanke der Woche: 28. Oktober 2020

In Bayern, meldet heute der Focus und beruft sich dabei auf den Merkur, habe ein Labor große Probleme mit den ausgewerteten Corona-Tests. „Dort seien reihenweise falsch-positive Ergebnisse geliefert worden. Erst bei Nachprüfungen sei die Panne aufgefallen. 58 von 60 Tests wären falsch gewesen.“  Offenbar handelt es sich um keinen Einzelfall. „Auch andere Labore hätten Schwierigkeiten, wegen Personalmangels und fehlender Reagenzien in der gewohnten Qualität zu testen.“

Unterdessen bereitet die Regierung drastische Einschnitte ins freie Leben der Bürger und Geschäfte vor, während, wieder laut Focus, mehrere Ärzteverbände, die knapp die Hälfte aller niedergelassenen Ärzte in Deutschland repräsentieren, davor warnen, die wissenschaftlich uneinheitlich basierten Inzidenzwerte für weitere Maßnahmen heranzuziehen: „Wir erleben bereits die Unterlassung anderer dringlicher medizinischer Behandlungen, ernstzunehmende Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen durch soziale Deprivation und Brüche in Bildungs- und Berufsausbildungsgängen, den Niedergang ganzer Wirtschaftszweige, vieler kultureller Einrichtungen und eine zunehmende soziale Schieflage als Folge.“

Bringt man das raunende Corona-Gewese à la „Unheil“ und „Heimsuchung“ der Kanzlerin damit in Verbindung, und vermehrt es um die dauerhysterischen Einlassungen des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach („Die Unverletzbarkeit der Wohnung darf kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein“), dann ahnt man, in welche Klemme wir zusehends geraten: besser gesagt in einen Schraubstock, dessen Backen aus scharfen Beschwörungen und fanatischer Konsequenz bestehen. Wo da das Unheil wohnt und wer uns da heimsucht, muss man sich nicht lang fragen.

Imaginiert man eine Sekte, die Visionen von Untergang und Verderben pflegt, Angst und Schrecken kultiviert und alles erstickt, das nach Mäßigung ruft, kommt man der Realität offenbar ziemlich nahe. Was noch fehlt? Eine unantastbare Führer*in, deren Botschaften zunehmend von Güte und Zorn, von Abscheu und Zuwendung getragen wären, umgeben von einem hohepriesterlichen Rat samt Gesandten, die ihre hochweisen Botschaften exekutieren und das Land im Bemühen, ein tugendreiches, sittenstrenges Gemeinwesen zu errichten, wie es der Führer*in vorschwebt, auspressen, bis dieser flagrante, gelebte Wahnsinn eines Tages zum geistigen und physischen Totalzusammenbruch führt.

Aber so etwas wäre, übersetzt in die Wirklichkeit, natürlich nur ein schlechter Traum. Mögen wir nicht bald schon darin aufwachen…

Gedanke der Woche: 21. Oktober 2020

Monika Maron und der Fischer-Verleg

Kleider und Farbmoden, nicht anders als kulturelle und intellektuelle, sogar wissenschaftliche Trends, sind die entscheidenden seelischen Haltegriffe der Massenkultur. Das Erfahren trendiger Gemeinschaft dient zunächst der inneren Ausrichtung, bald auch der äußeren Selbstbegrenzung, denn aus kartografiertem Gemeinsinn erwächst Sicherheit und folgt jene Berechenbarkeit des Lebens, die den meisten Menschen mehr Orientierung und Wohlbehagen bietet als ihr diffuses Inneres. Zeitgenossen, die aus eigenem Antrieb schöpfen, Klarheit gewinnen und erzeugen und erkennbar gegen den Strom schwimmen, stellen folglich eine enorme Gefahr für die Gemeinschaft dar. Man beobachtet sie dementsprechend aufmerksam und hindert sie alsbald an ihrem freiheitlichen Tun. Dazu braucht es keine Systemwächter, das erledigen die hysterischen, nichtswürdigen Kulturträger des Massenbetriebs ganz von selbst.

Gedanke der Woche: 14. Oktober 2020

Der Bürger der Neuzeit war von zwei kontroversen Maximen geleitet: von der Suche nach Individualität sowie dem Streben nach Sicherheit – und besiegelte damit den eigenen Untergang, denn Sicherheitsstreben und Selbstwerdung schlossen einander zunehmend aus. In den Händen der Kleinbürger, an die er seine Maximen im 20. Jahrhundert weitergab, ist die innewohnende Schizophrenie inzwischen vollständig sichtbar geworden: Umweltwahn und Massenkonsum sind, als Spielformen egozentrischen Begehrens, die degenerierte Folge.

Gedanke der Woche: 7. Oktober 2020

Das Schöne, Wahre, Gute – davon ist nur das Gute in übertrieben moralischer, politisch-fratzenhafter Verzerrung übriggeblieben. Das Schöne vegetiert in Konsumräumen und -träumen vor sich hin, das Wahre hat in relativistischer Weltsicht ausgedient. Dabei ist die Kraft der antiken Triade ungebrochen. Denn nichts wird gelingen, das nicht Schönheit, Wahrheit und Gutes in sich vereint: indem keines der drei ohne die zwei anderen auskommen kann. In gewisser Weise sind sie sogar identisch. Was wirklich gut ist, muss zunächst wahr sein, und was wahr ist, ist in der Folge schön anzuschau­en, weil Schönheit immer Begleitumstand allen in sich und in Harmonie mit der Welt tief Gefügten ist. Was aber schön ist, kann wiederum nicht anders, als Wahrheit im Betrachter erzeugen.