Zum Inhalt

Notizen nach Ostern – 19. April 2022

Bei allem, was wir derzeit erleben, spielt die gleichzeitige Auflösung dreier sich durchdringender, epochaler Umstände die entscheidende Rolle. Erstens geht die Neuzeit unwiderruflich zuende, ihr aufklärerischer Impuls versiegt und versagt zusehends. Zweitens ist die Weltnachkriegszeit an ihr Ende gelangt, deren hoher Friedenswille aufgrund konkreter, ins Monströse ragender Schreckens- und Gewalterlebnisse nicht mehr existiert. Drittens verweht die letzte religiöse Gestimmtheit bürgerlicher Provenienz, sie weicht einem übermoralisch aufgeladenen Nihilismus, der die einstige Verankerung in emotional nachvollziehbaren, die Individuen stabilisierenden Wertegefügen durch hysterischen Massengehorsam zu ersetzen sucht.

Diese dreifache Auflösung als zerstörerischer, suizidärer Impuls tritt uns im ikonischen Bild der propagandistisch geschulten, kriegsbereiten Ökosozialistin entgegen. Die zugehörigen Geschehnisse jedoch muten an wie Szenen eines grotesk-erhabenen Theaterstücks à la „Ubu Roi“ von Alfred Jarry. Sie präsentieren uns unter anderem die faktische, lang überfällige Auflösung des alten Rechts/Links-Schemas. Es war nie so recht vorstellbar, wie dieses überdehnte Muster einmal verschwinden könnte, jetzt sind wir live dabei, und es ist ein Vorgang voll radikaler Sinnlosigkeit und triebhaftem Wahn. Zurzeit befinden wir uns nämlich in jener Phase der Auflösung, inmitten jenes Schwundes von Verlässlichem, Vernünftigem und Bewährtem, in dem zunehmend das Chaos regiert. Wohin die Reise wirklich geht, ist nicht zu erkennen, und es wird wohl eine zerstörerische Weile dauern, bis hier einigermaßen Klarheit entsteht.

Solange also sind Chaos und Destruktion federführend, beinahe um jeden Preis, und das betrifft auch das handelnde Personal. Die heutigen Entscheider sind nicht diejenigen, die in der Zeit danach die Fäden in der Hand halten werden. Die derzeitige Führungsclique, die aus einer unheiligen Verquickung von Wirtschaft und Politik resultiert, stellt vielmehr eine Versammlung historischer Komparsen dar, die abzutreten haben, sobald sie ihre fanatische Selbstüberschätzung ausgelebt und den destruktiven Auftrag erledigt haben. Das betrifft im Übrigen auch den „great reset“ mitsamt seinen Protagonisten, deren schwüle Pläne nicht aufgehen werden, weil das angerichtete Chaos, das sie zu beherrschen glauben, sie mit in den Abgrund ziehen wird.

Viele Kräfte, darunter die zuletzt Genannten, aber auch Spiritisten, Materialisten Sektenführer und Dialektiker jeglicher Couleur, sowie die auf neue Imperien abzielenden russischen, türkischen oder chinesischen Träumer zerren nach Kräften am siechenden Kadaver der alten Epochen und sind doch alle zu mehr nicht berufen als dazu, das Chaos zu mehren, ohne das keine große Epoche zuende gehen kann. Sie sind nichts als Totengräber und Hampelmänner, bei aller Grausamkeit und Gewalt. Der Schrecken, der von ihnen ausgeht, ist real. Ihre Pläne aber sind null und nichtig. Vorne und hinten fehlt es ihnen am Wissen um die wahre Auferstehung der Zeit. Konzentrieren wir uns darauf.

 

© 2022 alexander hans gusovius

Published inAllgemein

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: