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Lyrische Trauer – 29. März 2022

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Frühlingslust

 

Was soll jetzt Frühjahr mir bedeuten,

Von Totenglöckchen einzuläuten?

Friert nicht mein Seel, wenn es gleich taut,

Bei leichenbittrer Gänsehaut?

 

Arg Grausen wäre zu verwinden

Und wenig Lebenslust zu finden…

Polternd und säumig schlägt mein Herz,

Der Blick geht flehend himmelwärts:

 

Verlacht, belogen und betrogen,

Ward Blut mir sattsam ausgesogen.

Wie könnt ich feiern, ungerührt,

Da man zum Narren mich gekürt?

 

Geb jeder acht, daß er nicht schwärmend

Falsch Frühling folge, der ihn lärmend,

Eisheilig lockend, hart bedrängt,

Ins woke Kettenhemd einzwängt!

 

Eh sich die Zeiten nicht neu erden,

Soll mir kein froher Tag mehr werden.

Dies Kettenhemd sei nimmer mein,

Sein Rost und Satan will ich sein.

 

Es wird einst ander Frühjahr blühen,

Und frohes Herz in Freisinn glühen,

Dann geht sie auf, die frische Saat,

Die falschem Frühling widerstaht.

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(In memoriam Enno Samp)

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© 2022 alexander hans gusovius

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