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Monat: März 2022

Lyrische Trauer – 29. März 2022

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Frühlingslust

 

Was soll jetzt Frühjahr mir bedeuten,

Von Totenglöckchen einzuläuten?

Friert nicht mein Seel, wenn es gleich taut,

Bei leichenbittrer Gänsehaut?

 

Arg Grausen wäre zu verwinden

Und wenig Lebenslust zu finden…

Polternd und säumig schlägt mein Herz,

Der Blick geht flehend himmelwärts:

 

Verlacht, belogen und betrogen,

Ward Blut mir sattsam ausgesogen.

Wie könnt ich feiern, ungerührt,

Da man zum Narren mich gekürt?

 

Geb jeder acht, daß er nicht schwärmend

Falsch Frühling folge, der ihn lärmend,

Eisheilig lockend, hart bedrängt,

Ins woke Kettenhemd einzwängt!

 

Eh sich die Zeiten nicht neu erden,

Soll mir kein froher Tag mehr werden.

Dies Kettenhemd sei nimmer mein,

Sein Rost und Satan will ich sein.

 

Es wird einst ander Frühjahr blühen,

Und frohes Herz in Freisinn glühen,

Dann geht sie auf, die frische Saat,

Die falschem Frühling widerstaht.

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(In memoriam Enno Samp)

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© 2022 alexander hans gusovius

Lyrischer Aufruf – 22. März 2022

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Wollt nur

  

Das große Unbehagen

Muss itzt an jedem nagen,

Der sich die Welt beschaut.

 

Was gibt es noch zu fragen?

Viel Elend, Not und Plagen

Hat man uns anvertraut.

 

Es geht in diesen Tagen,

Uns grausam an den Kragen,

Hein Tod schmückt schon die Braut!

 

Wollten wir nur nicht zagen!

Besser, zurückzuschlagen,

Es wächst hier kein gut Kraut.

 

Wollt Missetäter jagen,

Solang noch Nächte tagen,

Liegt nicht auf fauler Haut!

 

Lasst dann den Schuldspruch wagen,

Und ahnden alle Klagen,

Eh noch der Morgen graut.

 

Gebete wollt laut sagen!

Wo Galgenbäume ragen,

Uns fahl der Himmel blaut.

 

© 2022 alexander hans gusovius

Lyrisches Echo – 15. März 2022

 

 

Dimensionen

 

Fühlen und Denken,

Glauben und Wissen,

In eins setzen.

 

Lauschen und Ahnen,

Wort und Gehalt,

Zukunft erinnern.

 

Sehen und Hören,

Schönheit und Klang,

Seelen ausloten.

 

Lichthell und Dunkel,

Farbe im Auge,

Räume ermessen.

 

Bauplan und Wesen,

Entwurf und Gestalt,

In sich vereinen.

 

Wachen und Tasten,

Schweigen der Steine,

Schwingung erfassen.

 

Weite und Höhe,

Tiefe und Nähe

Des ewig Menschlichen.

 

Hüten und Schützen,

Bergen und Wahren,

Das ewig Heilige.

 

 

© 2022 alexander hans gusovius

Lyrik gegen Kleinmut – 8. März 2022

 

 

Kannibalen

 

Tief trifft der Atem kalter Seelen,

Lebendiges im scheuen Keim:

Sucht Seelenfunken sich zu stehlen,

Als Feuer für ein totes Heim.

Solch frostig kalter Atem zieht

Die ganze Welt heimtückisch leer.

 

Nicht ahnend, daß derlei geschieht,

Wärmt man die Diebe immer mehr,

Fühlt sich zum Gnadentum verpflichtet.

Doch hat der düstre Seelenraub

Bald alle Daseinslust vernichtet:

Was glänzt und strahlt, zerfällt zu Staub!

 

Daß sich die Menschen doch besinnen,

Um vor dem völligen Verderben,

Dem Raub zu widerstehn beginnen!

Die Welt muss sonst vor Kleinmut sterben:

Freiheit und Geist würden zerrinnen,

Die Seelenfresser alles erben.

 

© 2022 alexander hans gusovius

 

Lyrisches Innehalten – 1. März 2022

 

 

 

Geigen so hoch

 

 

Der Himmel, den ihr sucht,

Ist ferner, als ihr denkt,

In Wahrheit leicht erreichbar.

 

Liebe, von euch ersehnt,

Reicht weiter, als ihr schaut,

Wahren Momenten offen.

 

Leben, um das ihr zittert,

Ist stärker als ihr selbst.

Es kann vor Wahrheit bersten.

 

Gott selber, den ihr nichtet,

Streift einsam durch die Straßen,

Sucht sich in euch zu wahren.

 

Wahrheit, die ihr erfleht,

Reicht tiefer, als ihr bangt.

Wer hält euch wohl zum Narren?

 

Vergänglichkeit, an die ihr glaubt,

Hat halben Wert, bald stiehlt

Sie ewig euch den Schlaf.

 

 

© 2022 alexander hans gusovius