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Monat: November 2021

Lyrischer Moment 30.11.2021

 

Der Kranz

 

Nun kreise ich, dem Ende ewig nah,

Um Impressionen, die nicht trügen,

Um Bilder, die mich nicht belügen,

Um Leben, wie es keiner sah.

 

Ein Kranz aus Wahrheit rankte sich um mich,

Den fröhlich forschend ich durchreiste,

Da sich so vieles aus ihm speiste,

Das engsten Schicksalsfragen glich.

 

Jetzt will ich noch mit frischem Sinn

Die ganzen Schicksalswälder roden,

Dass neuer, selbstbestimmter Boden

Uns trägt zu Taos Weisheit hin.

 

 

© 2021 Alexander Hans Gusovius

Lyrische Erhellung 23.11.2021

 

 

Lange her

 

Den Freund, der heimlich von dir weicht,

Hast du vor Jahren schon verloren.

Was jetzt sein totes Herz beschleicht,

Ist nicht vor kurzem erst geboren.

 

Gräme dich nicht, gib gern ihn frei,

Damit sein Oh und Ach verhalle,

Auf dass sein stummes Wehgeschrei,

Nicht laut durch deine Seele schalle!

 

Ein Freund indes, der rüde dich belästigt,

Ist wahrhaft niemals Freund gewesen:

Seit jeher seelisch ungefestigt,

Will er sich so die Messe lesen.

 

Lug, Trug und Hass, die ihn begleiten,

In steter Niedertracht mit sich allein,

Hofft er dämonisch auf dich abzuleiten,

Um endlich stark wie du zu sein.

 

Verwandle solche Freunde rasch in Luft,

Die Schleicher wie auch die Dämonen.

In ihrem Pest-und-Schwefel-Duft,

Kannst du nicht bei dir selber wohnen.

 

 

© 2021 Alexander Hans Gusovius

Lyrische Erholung 16.11.2021

 

Anderzeit

 

Das Geläute der Meute hallt durch den Wald.

Die Beute: sechs weißer Hindinnen Fell.

Elf Jäger folgen der Hunde Gebell.

 

Sieben zu häuten ist ihr Begehr. Da ruft

Der jüngste der Jäger voll Freuden:

„Weiße Hirschkuh voraus“! Und hebt sein Gewehr.

 

Die weiße Gestalt aber flieht der Gewalt.

Auf ihrer schwankend flüchtenden Kruppe

Krallt sich ins Vlies eine kindliche Puppe.

 

Da findet die Hindin im Fels einen Spalt.

Legt nieder das Kind zwischen welkendes Laub,

Im Moder zu finden bergenden Halt,

 

Und springt auf und davon. Doch schon knallt

Ein Gewehrschuss im Wald, der sie streckt.

In großen Strömen das Blut aus ihr leckt.

 

„Ho, ho, Horrido“, ruft der jüngste der Jäger,

Seines Schusses gewiss aufs weißblonde Vlies.

Doch als er sich nähert, wird sein Schritt immer träger:

 

Eine weißblonde Holde verblutet im Hain!

Und mit ersterbender Stimme sagt sie noch dies:

„Rette das Kind, sein Vater du bist…“

 

Der Jungjäger nickt, er weiß, wer sie ist,

Und findet sein Kind im Spalt hilflos liegen.

Nicht länger kann er die Tränen besiegen.

 

Er nimmt das Kind hoch, eine weißblonde Maid.

Sie herzend und drückend und weinend er spricht:

„Ich nahm dir die Mutter und muss dafür büßen!

 

Wie bitter wirst du mein Leben versüßen,

Ich sah, wie Hermines Augenlicht bricht.

Die mir alles gegeben, ich erkannte sie nicht!“

 

 

© 2021 Alexander Hans Gusovius

Einsichten / Aussichten 2.11.2021

  • Das Falsche zu tun, muss kein Fehler sein, denn alles Falsche trägt den Keim zum Wahren in sich. Das gilt sogar für die vielen groben Fehler, die politisch gegenwärtig gemacht werden. Moralisch gesprochen sieht die Sache anders aus.
  • Steine fallen, weil sie es wollen. Gravitation ist eine kollektive Willensleistung der Materie. Daher rührt auch die Faszination für Aufmärsche, für sozialistische Weltentwürfe, für „gemütliches Beisammensein“, für alle menschlichen Zusammenhänge, in denen das Individuum in der Masse aufgeht – und dabei Lust empfindet.
  • Das Bewusstsein verliert sein hochproduktives Potential, wenn es von Unehrlichkeit durchzogen ist. Das gilt für die Gesellschaft ganz ebenso.
  • Ein neuer Menschentypus dämmert herauf, der sein Bewusstsein als weiteres Sinnesorgan nutzt und nicht mehr als Spiegel und Spielfläche seiner Instinkte missversteht – und schwächt. Die weltweiten kollektivistischen Umtriebe sind dazu da, diese freiheitliche Entwicklung zu verhindern. Klimaangst und Coronapanik dienen ihrer Knebelung.

 

© 2021 alexander hans gusovius