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Monat: September 2021

Poetischer Eintrag 28.09.2021

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Gerichtstag

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Zornig erbebend züngelt eine Seele,

Aus ihrem hingestreckten Leib empor,

Voll Angst, dass ihr der Körper fehle.

Weiteres Wandern steht ihr noch bevor,

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Wovor ihr graust. Zu oft hat sie im Leben

Nächste und Ferne hemmungslos gequält

Und sich, statt liebend nachzugeben,

An ihrem Leid beseligt und gestählt.

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Die Seele flucht das säumige Erschlaffen

Des Leibes, dem sie Ewigkeit befahl,

Der nun versagt, statt Raum zu schaffen,

Für noch mehr Blutgericht und Qual.

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Was da so nutzlos liegt und modert,

Zwingt ungerührt sie in die Höllenglut!

Dass böses Feuer sie umlodert,

Zu brechen ihren hohen Lebensmut!

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Aufheult und greint das nimmersatte Wesen,

Sobald es nur die Flammen züngeln sieht,

Schwört gar, es sei bereits genesen

Von aller Sünde – und verglüht.

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copyright 2021 alexander hans gusovius

Einsichten / Aussichten 21.09.21

  • Ideen und Gedanken können sich wie Gefühle auch stumm übermitteln. Sie agieren dann weniger bildhaft und ihre substantielle Kraft wirkt zunächst nur am Rand. Sie rücken erst dann ins Zentrum vor, wenn die Krise da ist.
  • Die Kinder des Bürgertums gehen bis zum heutigen Tag aus kleinmütigem Überlebenswillen im kleinbürgerlichen Massenbetrieb auf, in dem sie keinen Platz fänden, würden sie nicht dienstbar. Mit substantiellen Ursprüngen füttern sie den seelenlosen Moloch und liefern sich ans Messer, anstatt ihr bürgerliches Erbe zu neuen Höhen zu führen – der persönliche Verlust von Ehre, Geist und Haltung führt nebenbei zu einer gesellschaftlich verheerend negativen Gesamtbilanz.
  • Mit dem akademischen Grad nehmen meist auch Verschlagenheit und Dreistigkeit zu.

Poetischer Eintrag 14.9.2021

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    Wehe    

Der Todesengel breitet seine schwarzen Schwingen

Als Drohgestalt kaum in der Ferne aus:

Da hört man allseits Requiems klingen,

Sieht Schreiner teure Särge bringen,

Trägt erste Leichen aus dem Haus.

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Nichts weckt mehr Lust in treuen deutschen Herzen,

Als mit der Welt in Harmonie zu sein:

Falls nötig, akzeptiert man dafür Schmerzen,

Nickt ernst zu zukunftsdüstren Scherzen.

Ja, selbst zum Tod sagt man nicht nein.

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Solch Demut hilft, des inszenierten Unheilsboten

Perfide Pläne klaglos zu erfüllen:

Bald tanzt das ganze Land nach seinen Noten,

Es wächst ein Berg von Seelentoten,

Die sich in banges Schweigen hüllen.

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Schamlos scharwenzelnd künden hörige Propheten,

Dass sich in Angst gut leben lässt:

Doch auch der fügsamsten Kometen

Und selbstvergessensten Proleten

 Harrt ein sinistres Abschiedsfest,

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Darin das Ich und freies Menschsein untergehen.

Soziale Knechtschaft winkt nun allen,

Außer den Köpfen, die dahinter stehen:

Den Trägern weltbeglückender Ideen,

Die sich im Spiel mit schwarzer Milch gefallen.

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Dies macht euch klar, eh abends ihr aus Tassen,

Schwarzsaure Milch auf Zuspruch trinkt:

Ihr seid von Gott und Welt verlassen,

Wenn Weltbeglücker derart hassen,

Dass alles Heil darin versinkt.

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copyright 2021 Alexander

Poetische Einträge: 8. September 2021

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Leitbilder

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Was ganz tief in dir birgt:

Wisse, Wahrhaftiger, daß es

Passend in dir erwacht,

Richtung zu weisen und

Wahrheit zu fügen.

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Laß jedoch ruhen,

Unseliger, es in den Tiefen,

Ehe du seiner bedarfst!

Niemals zur Unzeit

Sollst du‘s entbergen, denn:

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Gegen seine Bestimmung

Wild sich‘s erhebt,

Unstete Ziele verfügend,

Um in verspiegelter Hast

Wirren Tritt zu erzwingen.

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copyright 2021 Alexander Hans Gusovius

Poetische Werkstatt – 01.09.2021

 

Guter Rat

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Lass Einsamkeit dich nicht beträufeln,

Von Galle, die aus schwarzen Seelen fällt,

Fahr fort, an Fug und Recht zu zweifeln,

Wie sehr man dich auch hasst und abseits stellt.

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Gib gerne nach, wo Menschen selbstlos sind,

Spür dennoch weiter nach dem wahren Grund!

Mehr als man glauben mag, weht fauler Wind

Aus noch so edlem, ehrenwertem Mund.

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Doch Einsamkeit muss nicht von Übel sein!

Ohne den Pesthauch einer Welt voll Lügen

Atmest du freier, bist auch nicht allein:

Schmale Gesellschaft wird dir lang genügen.

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copyright 2021 Alexander Hans Gusovius