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Weiter denken – 21. April 2021

Anmerkungen zu einer vierten Dimension: die nicht Zeit ist, sondern Zeit akzidentiell zur notwendigen Begleitung hat. Ähnlich wie Raum als dritte Dimension nur ein Akzidens dieser Dimen­sion ist: aus dem weiterhin Ort folgt, so wie aus Zeit Zeitpunkt folgt. Wie kann man sich eine vierte Dimension vorstellen? Be­trach­tet man die andern drei Dimensionen von ihrer ak­zi­dentiel­len Seite, wird deutlich, dass der Punkt einen auf sich selbst beschränkten Vektor hat, der in der Linie eine eindi­mensionale Ausdehnung erfährt. Die Fläche verfügt bereits über zwei lineare Vektoren, die flächenbildend wirken. Der Raum kennt drei Vektoren, von denen einer über die flächenbildenden Vektoren hinausgeht, so wie die Fläche nur einen Vektor besitzt, der über die linienbildende Vektorschaft hinausgeht. Wir haben somit einen eigentli­chen Liniencharakter, einen eigentlichen Flächencharakter, einen eigentlichen Raumcharakter. Die vierte Dimension besitzt nun ebenfalls einen über die drei andern hinausgehenden Vektor, und zwar den Bewe­gungs­faktor. So wie Punkte (mit Nullvektor) in Linien und Li­nien in Flächen und Flächen in Räumen aufgehoben sind, so sind Räume in Bewegungen aufgehoben – jeweils in unendlicher Zahl. Was heißt nun Bewegung und was unendliche Zahl? Indem alle Räume in ständiger Expansion begriffen sind und zugleich in Kontraktion, ist die Bewegung als Vektor eine sich selbst betreffende, ähnlich der Nullvektorschaft des Punktes, dem sie sehr verwandt ist und insofern iden­tisch, als der Punkt das Gegenstück zur vierten Dimension ist. Bewegung als Vektorschaft der vierten Dimension bezieht sich nur auf sich selbst und ist ein Os­zillieren zwischen Unendlichkeiten, zwischen All und Nichts. Vorstellbar ist das als vierdimensionale Kugel, die, indem sie sich in sich selbst zusammenzieht und punkthaft wird, zugleich Ausdehnung erfährt, und indem sie sich ausdehnt, zugleich ihre Nähe zu sich selbst in allen denkbaren Räumen, Flächen, Linien und Punkten maximal befördert und findet. Und wie die malerische Entdeckung der dritten Dimen­sion parallel zur stürmischen Eroberung der Erdräume verlief, ihr sogar ein Weniges vorausging und sie begründete, so vermag heute die Sprache unsere drei­di­mensionale Fesselung der Perspektive aufzubrechen: indem sie dreidimensionale, imgrunde dialektische Schein­wi­dersprüche in sich auflöst und der Wahrhaftigkeit allen Seins  ebenso bewegend wie beweglich Ausdruck verleiht.

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