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Monat: April 2021

Weiter denken – 27. April 2021

Im autistischen Raum: Druck entsteht oben unter der Hirnschale, nimmt zu, verteilt sich über die Schläfen hin zu den Nasenflügeln, die spürbar an den Nasenrücken anschließen. Alles ist Rauschen, fühlbar liegt das Gehirn in seiner knöchernen Wanne und arbeitet in blitzartigen Sprüngen und Schüben, lichthell. Die Außenwelt dringt in Bildern und Lauten, wie nahe bei einem Wasserfall, nur mühsam durch und greift zugleich die Hirnsubstanz an. Dumpfes Dröhnen unterlegt jede Wahrnehmung und jeden Denkvorgang, bis Denken zur reinen Wahrnehmung, zur Wahrnehmung an sich wird. Irgendeine vermittelnde Instanz scheint aufgehoben, der Nacken versteift sich. In diesem Zustand wird man zu einer pendelnden Uhr, man vermag die Welt zu denken, indem sie sich über die Wahrnehmung ungeschützt mitteilt. Die anfänglichen Schübe und Sprünge des Hirns werden zu rasenden, taumelnden Bahnen- und Schleifenfahrten, zu elliptischen Kreisbewegungen in hoher Zahl.

Weiter denken – 21. April 2021

Anmerkungen zu einer vierten Dimension: die nicht Zeit ist, sondern Zeit akzidentiell zur notwendigen Begleitung hat. Ähnlich wie Raum als dritte Dimension nur ein Akzidens dieser Dimen­sion ist: aus dem weiterhin Ort folgt, so wie aus Zeit Zeitpunkt folgt. Wie kann man sich eine vierte Dimension vorstellen? Be­trach­tet man die andern drei Dimensionen von ihrer ak­zi­dentiel­len Seite, wird deutlich, dass der Punkt einen auf sich selbst beschränkten Vektor hat, der in der Linie eine eindi­mensionale Ausdehnung erfährt. Die Fläche verfügt bereits über zwei lineare Vektoren, die flächenbildend wirken. Der Raum kennt drei Vektoren, von denen einer über die flächenbildenden Vektoren hinausgeht, so wie die Fläche nur einen Vektor besitzt, der über die linienbildende Vektorschaft hinausgeht. Wir haben somit einen eigentli­chen Liniencharakter, einen eigentlichen Flächencharakter, einen eigentlichen Raumcharakter. Die vierte Dimension besitzt nun ebenfalls einen über die drei andern hinausgehenden Vektor, und zwar den Bewe­gungs­faktor. So wie Punkte (mit Nullvektor) in Linien und Li­nien in Flächen und Flächen in Räumen aufgehoben sind, so sind Räume in Bewegungen aufgehoben – jeweils in unendlicher Zahl. Was heißt nun Bewegung und was unendliche Zahl? Indem alle Räume in ständiger Expansion begriffen sind und zugleich in Kontraktion, ist die Bewegung als Vektor eine sich selbst betreffende, ähnlich der Nullvektorschaft des Punktes, dem sie sehr verwandt ist und insofern iden­tisch, als der Punkt das Gegenstück zur vierten Dimension ist. Bewegung als Vektorschaft der vierten Dimension bezieht sich nur auf sich selbst und ist ein Os­zillieren zwischen Unendlichkeiten, zwischen All und Nichts. Vorstellbar ist das als vierdimensionale Kugel, die, indem sie sich in sich selbst zusammenzieht und punkthaft wird, zugleich Ausdehnung erfährt, und indem sie sich ausdehnt, zugleich ihre Nähe zu sich selbst in allen denkbaren Räumen, Flächen, Linien und Punkten maximal befördert und findet. Und wie die malerische Entdeckung der dritten Dimen­sion parallel zur stürmischen Eroberung der Erdräume verlief, ihr sogar ein Weniges vorausging und sie begründete, so vermag heute die Sprache unsere drei­di­mensionale Fesselung der Perspektive aufzubrechen: indem sie dreidimensionale, imgrunde dialektische Schein­wi­dersprüche in sich auflöst und der Wahrhaftigkeit allen Seins  ebenso bewegend wie beweglich Ausdruck verleiht.

Heiter weiter – 13. April 2021

Heiter weiter

Letzte! Wachend

Übers Sterben der Zeit

Gehet daran, als Erste

Eben so sorglich

Frische Zeitung zu zeugen.

Die Geburt neuer Zeit wie

Ihr müdes Vergehen

Sind im Spirallauf der Zeiten

Nah und geborgen!

Wisset:

Altes behütend

Und

Neues zeitend

Ist eines ohne das andere

Nobles Nichts!

In eins gesetzt

Heiteres Weiteres…

 

 

Copyright 2021 Alexander Hans Gusovius

Weiter denken – 7. April 2021

Immer wieder entsteht gefühlter Anlass, etwas zu denken. Immer wieder gehe ich dem nach und entdecke hunderte dazu passende Gedanken, die ich mir tausende Male innerlich aus­spreche und gelegentlich notiere. So wer­den Ge­fühle zu Gedanken, Gedanken zu Sät­z­en – und erwächst aus einer Unmenge von Sätzen zuletzt ein einziger, den festzuhalten lohnt: wenn er aus der Masse der Nachbarsätze so vertraut herausragt, dass ich imstande bin, ihm Gestalt zu verleihen. Daraus erhellt, warum umso mehr Leben umso mehr unbändige Anar­chie zur Grundlage hat – und je mehr Form je mehr Versteinerung bedeutet: Form, in hunderten Schritten erarbeitet, löst sich im ersten Schritt schon vom anarchischen Willen, der über hunderte Wege das Ursprungsgefühl verfolgen hieß, immer nur nebenher Gestalt gebend, gerade so viel wie benötigt. In der Starre der idealen Endgestalt muss die Unbändigkeit des Ursprungs dennoch pulsierend enthalten und auch zu erfassen sein.