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Weiter denken – 23. März 2021

Beim momentanen politischen Geschehen könnte es sich, als Gedankenspiel konjunktivisch formuliert, entgegen aller Bizarrerie nicht bloß um Pannen, sondern um einen kalten Putsch handeln, um vorrevolutionäre  Schritte, die der Vorbereitung auf die komplette Umwertung unserer demokratischen Werte dienen würden.  Wenn dem so wäre, läge es an unser aller eklatanten Versäumnissen, aber auch an spezifischen Mängeln der freiheitlich verfassten Lebenswelt. 

Von Mal zu Mal sähe sich demnach die verfasste Freiheit in unseren Tagen härter angegriffen, ohne anders als stets nur irritiert und widerstandslos darauf zu reagieren. Denn sie würde den Angriff nicht orten können, sie wäre gegen Wert- und Wortverdrehungen nicht gut gerüstet und würde vom institutionellen Grundvertrauen, das wir in sie setzten, sogar noch geschwächt. Ihre sehr formelle, liberale Funktionsweise wäre ihre Achillesferse. 

Und so zöge Schritt für Schritt eine neue Wirklichkeit ein, die das Tor für politische Anmaßung und politischen Missbrauch ganz weit öffnete. Unsere Schwäche, die verfasste Freiheit für grundsätzlich unanfechtbar zu halten und nicht verinnerlicht zu haben, dass sie fortwährend neu erstritten werden müsste, um ihren starren Liberalismus auszugleichen, höbe das Tor vollends aus den Angeln. Es wieder zu schließen, würde unendliche Mühen kosten und hohen Blutzoll erfordern. 

Eines fernen Tages könnte es dennoch soweit sein. 

Bis dahin aber würden wir bitter am revolutionären Unwesen zu leiden haben, das noch bizarrer, ungestalter und unfähiger daherkäme als die bereits sehr plumpen vorrevolutionären Angriffe. Um die klaffenden Abgründe der Revolution zuzudecken, würde grotesk gelogen werden, und man würde jede Kritik, sogar jeden Zweifel daran gnadenlos ahnden. 

Die etwas leichtfertige Partystimmung der letzten zwanzig Jahre ist jedenfalls vorbei, besiegt durch heute schon zu besichtigende revolutionäre Sauertöpfigkeit und moralisches Scharfrichtertum… So viel ist auch im Indikativ sicher!

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