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Weiter denken: 10. Februar 2021

Die Würfel sind längst gefallen. Es wird keine Rückkehr zu den uns vertrauten, nicht einmal zu den in der Verfassung garantierten Lebensverhältnissen geben. Daran sind beileibe nicht nur diejenigen beteiligt, die erkennbar an einer perfiden Neufassung der Regularien und Lebenszusammenhänge (m)werkeln. Viel mehr Menschen webten und weben am Leichentuch der Verhältnisse: eigentlich wir alle.

Schuld daran ist unsere enorme Überdehnung der Lebensverhältnisse, die man kurz gefasst als Überhang von Ansprüchen ans Leben gegenüber der Bereitschaft, es substantiell auszufüllen, beschreiben kann. Anders ausgedrückt: es ist schon lange viel mehr gefordert als geleistet worden, es wurde weitaus mehr gewollt als gekonnt. Und zwar flächendeckend, privat wie öffentlich, politisch, wissenschaftlich, ethisch, künstlerisch und transzendent.

Aus diesem Missverhältnis von Wollen und Können, das im Wesentlichen ein elitäres Über-Bewusstsein zur Grundlage hat, wohlgemerkt in sämtlichen Bevölkerungsschichten, erwächst nun zu unserem Schrecken kein behutsames neues Austarieren, sondern ein neues, von Hass grundiertes Dürfen und Müssen – wie immer, wenn Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, besetzen rohere Kräfte die Leerstelle als jene, die sie hervorbrachten.

Und so ist die Zeit der brachial simplen Botschaften angebrochen, vorerst; denn schon sind auch die Folterwerkzeuge der Unfreiheit zu erkennen, Ziel und Zweck aller Simplizität. Indem wir es unterließen, hinreichend große Anstrengungen zu unternehmen, das freie, komplexe Leben zu höherer Blüte zu bringen, schlichen sich die Hasser und Peiniger ins verödende Terrain.

Ohnedies ist ihnen keine Mühe zu groß, ihre Herrschsucht ins Bild zu setzen. Die Bilder behaglicherer Vergangenheit tangieren sie dabei kein bisschen, sie taugen ihnen allenfalls als konturierendes Gegenmodell für ihre marternden Pläne. Genau aus diesem Grund hat auch kein Verfassungsartikel vor dem Furor ihrer vermassenden Umgestaltungsideen Bestand. Im Gegenteil. Je individueller und unantastbarer etwas zu sein scheint, je mehr reizt es sie.

Machen wir uns daher auf einiges gefasst. An seelischer Monstrosität, Infamie und Niedertracht werden die kommenden Zeiten viel zu bieten haben. Auch an leiblicher Pein. Begreifen wir endlich, dass die Zeiten viel weiter fortgeschritten sind, als wir glauben. Verlassen wir uns vor allem nicht auf unsere individuellen Rechte, die unserer Nachlässigkeit wegen niemanden mehr zu schützen vermögen!

Es wird viel Einsatz brauchen, das verlorene Terrain zurückzugewinnen, einigen Mut und jede Menge guter Ideen. Je mehr wir von allem aufwenden, je eher wird die Rückkehr in ein Leben in Freiheit und Würde gelingen: anders als gewohnt zwar, doch uns als individuell so sehr begabten Menschen gemäß. Machen wir uns ans Werk!

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