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Jahreswechsel 2020/21

Ein neues Zeitalter kündigt sich an. Manche deuten die vorauseilenden Zeichen als eine Art himmlisches Gebot, Reue zu fühlen und Buße zu tun ob dem, was sie für sündhaft konsumierendes Treiben in Freiheit und Wohlstand halten – weshalb sie vermeinen, dass eine große Transformation in Gang zu setzen sei, an deren Ende jener große, streng sich bescheidende, sündenfreie Neustart unserer gesamten Lebensumstände zu stehen habe, der nur die ausnimmt, die am Gelingen der Transformation mitwirken. Einmal in Gang gesetzt, herrsche alsobald, tönt es wie von silbernen Glöckchen begleitet, globale Gerechtigkeit, umfassende Gesundheit, weltumspannender Frieden sowie eine Art ewigen antikapitalistischen Frohsinns.

Die Zeichen der Zeit, die von unserer Kanzlerin und nicht wenigen anderen solcherart sektenhaft fehlgedeutet werden, sagen indessen ganz anderes: dass wir ans vorläufige Ende gekommen sind mit unserer Weisheit (wofür die eingeschränkte Denkungsart der Kanzlerin der beste Beweis ist), dass wir unsere Sinnmitte aufgegeben haben und in 500 Jahren Aufklärung zwar vieles erreichten, aber eben auch in kleinmütiger Rationalität erstarrten, weshalb wir das große Werk der Aufklärung nicht mit neuen Inhalten oder Zielen  fortzusetzen vermögen. Von der göttlichen Sinnmitte, die im Verlauf von 500 Jahren abgetragen wurde, ist  nur noch ein aggressiver moralischer Mix übrig, der jeglicher Weitsicht entbehrt.

Im hier und jetzt beginnenden neuen Zeitalter wird es darauf ankommen, jene transzendentale Tiefensicht wiederzuerlangen, die einst im göttlich zentrierten Weltbild geborgen war. Denn erst aus ihr werden sich neue Ziele und Inhalte speisen. Dazu bedarf es einer grundlegend anderen Geisteshaltung, die weder in moralischer Aggression gründet noch auf Gottesfurcht baut. Es bedarf eines neuen Bewusstseins, das so fulminant neue Richtung weist und Potenziale ausschöpft wie einst der Impuls der Aufklärung, der uns die Materie durchdringen half.

Zu überwinden sind dazu die Gegensätze von Technik und Natur, Fühlen und Denken, Wachsein und Träumen, Zukunft und Vergangenheit, Realität und Kunst, Glauben und Wissen – sowie nicht zuletzt der Gegensatz von Gott und Mensch und der Gegensatz der Geschlechter. All diese Gegensätze sind nicht in Stein gemeißelt, sondern beruhen auf Sichtweisen, die unser Fühlen und Denken begrenzen. In Wahrheit sind sie nah verwandt und setzen enorme Kräfte frei, wenn sie als gleichgerichtet erkannt werden: Technik ist hochspezifizierte Natur, Denken ist hochdynamisches Fühlen, Wachsein ein hochrationales Träumen usw. usf.

Alles hängt mit allem zusammen und kann in eins gesetzt werden, wenn der Mensch jene uralten, früher Göttern oder Gott zugeschriebenen, transzendentalen Wirkmächte in sich entdeckt, wenn endlich der Gegensatz von Gott und Mensch aufgehoben ist. Auf diese Weise frei gesetzt, werden wir mit neuen Energiequellen und neuer Hochtechnologie bspw. nicht nur den Hunger besiegen, sondern auch eine wachsende Weltbevölkerung gut ernähren können und Freiheit und Wohlstand auch dorthin bringen, wo ihr Fehlen bisher der traditionelle Garant jeder Gewaltherrschaft ist. 

Was die Sektenanhänger samt Kanzlerin unterdessen vorantreiben, ist das krasse Gegenteil. Ihnen geht es um technische und wirtschaftliche Reduktion in erheblichem Ausmaß, was am Ende auch das Schrumpfen der Weltbevölkerung bedeuten muss, mit anderen Worten: den Tod oder das Existenzverbot von Abermillionen Menschen. Freiheit und Wohlstand sind für sie nur Chiffren menschlichen Umherirrens in den eingebildeten Abgründen von Kapitalismus und Konsum. Sie werden folglich, wenn wir sie lassen, den Rückfall in finsterste Zeiten von Untergebenheit und elitärer Gewalt einleiten.

Im neuen Jahr werden die Weichen dafür gestellt, wohin die Reise geht. Möge es ein gutes Jahr werden, das vielleicht dürftig beginnt, aber schon den Keim zu einer ganz anderen neuen Zeit in sich trägt, als die Kanzlerin und ihre Sektenanhänger im Sinn haben.

In diesem Sinn: auf ein frohes und fruchtbares 2021!

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