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Gedanken: 9. Dezember 2020

Wer viel besitzt, sollte nicht allzu laut darüber nachdenken, wie wenig all der Besitz ihm zu wahrem Lebensglück verhilft, schon gar nicht, wenn ein Besitzloser vor ihm steht. Außerdem: Wenn alles, was man besitzen und genießen kann, nicht wirklich zu Glück verhilft, warum geben wir uns dann soviel Mühe, etwas zu erwerben? Merke: Nicht nur der ist weise, dem Askese zu ähnlichem Glück verhilft wie ein guter Bordeaux. Sondern auch der Besitzende ist weise, wenn es ihm um behagliche Seelenöffnung  zu tun ist.

Es gibt so etwas wie eine Transzendenz des Konsums. In ihr findet man den wahren Grund für die Sendbotenschaft der USA und des american way of life im 20. Jahrhundert. Das billige Gerede der Kanzlerin, wenn sie frierenden Kindern zu Kniebeugen rät und die Bürger generell als Hedonisten verunglimpft, zeugt nicht nur von enormer persönlicher Verbitterung, sondern auch von maximaler transzendentaler Entleertheit. Ihr Versuch, das Land in eine Welt der Verknappung und des Verzichts zu steuern, wird in einer Katastrophe enden. Dahinter steckt die abstinente Ideologie des protestantischen Pfarrhauses, verknüpft mit dialektischer Freudlosigkeit: bis zum Rand gefüllt mit endzeitlicher Gestimmtheit.

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