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(B)LOGBUCH, 23. Juli 2020

Die Anspannung im Land nimmt stetig zu. Die täglichen Gewalttaten, ob religiös, politisch oder individuell motiviert, die finanzwirtschaftlichen Abenteuer der Regierenden, ihre utopischen Leitlinien, die Vertuschung der wirklichen Lage durch die Medien, die psychische Gewalt der Denkverbote, die Nötigung durch Sprachregelungen, die flagrante Relativierung freiheitlichen Empfindens und Handelns, das Wuchern simpelster Weltentwürfe, die Schmähung Andersdenkender inkl. der leichtfüßigen Diagnose psychischer Erkrankungen: dies alles und noch viel mehr bleibt nicht ohne Folgen und erschüttert das Gemeinwesen in den Grundfesten. Und es tun beinahe alle daran mit; fast jeder schimpft, mault, flucht, duckt sich weg oder intrigiert nach Kräften und hält sich dabei vor allem für klüger – und versucht doch nur, gerissener zu sein.

In der Folge steigt die gesellschaftliche Fieberkurve permanent an. Das Glück des Einzelnen schwindet als Wert, Individuen haben kaum mehr als statistisch Belang, die kollektivistischen Heilslehren haben Konjunktur. Es fehlt überall an ethischer Orientierung, was zu moralischem Extremismus führt. Im ansteigenden Fieberwahn verschwimmen die Bilder, die Fata Morgana wird zum Normalfall und zum Bezugspunkt gesellschaftlichen Handelns und Sehnens.

Die Aussichtslosigkeit solcher Phasenverschiebung hin zum Irrealen, geprägt von emotionalen, scheinintellektuellen Grabenkämpfen,und die zwingend destruktive Grundausrichtung solchen Tuns und Trachtens sollten unschwer zu erkennen sein. Sind sie aber nicht, im Gegenteil: der muntere Kahlschlag fesselt und unterhält, solange die Folgen noch keine größeren Schmerzen zufügen. Es ist wie mitten im Suff, wenn der Alkohol in Strömen fließt und das triste Erwachen noch fern scheint.

Suff und gesellschaftlicher Fieberwahn haben vieles gemeinsam. Und wie im Suff zwischen gelalltem Unsinn hier und da eine visionäre Wahrheit durchschimmert, verhält es sich auch hier: Das meiste von all dem, das gerade in Massen geredet und geschrieben wird, ist leer und hohl und ein Spiegel verwüsteter Seelenlandschaften.

Das wird alles noch zunehmen, machen wir uns nichts vor. Der Korken ist aus der Flasche, das wütende Fest dauert fort – und es wird schwer werden, die Flasche nochmal zu verstöpseln. Wahrscheinlicher ist es, dass sie zerbricht. Das unermessliche Leid, das im Raum steht, kümmert die Wütenden nicht. Sie fühlen sich als gerechte Krieger ihrer Sache, als Heilsbringer, und sind ebenso eitel und verlogen wie ihre roten und braunen Kollegen der Vergangenheit, die auch nur das blanke Verderben in die Welt trugen.

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