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Das wöchentliche Gedicht – 23. Sendung

Mahnung

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Wisse Bürgerin, wisse Bürger, dass du noch immer

Voll bist des Hasses. Nicht hast du dich selbst,

Nicht Grund und Folge unserer Taten erfasst. Nicht

Bist du frei, erlöst gar vom Mord. Denn immer noch gären

Wut und Trauer, quillt aus dem schwärzlichem Schlot

Deiner Feigheit Rauch; genährt ist das Feuer

In dir durch Missgunst, Habgier und Neid. Sprich nicht

Von Trauer und Wut, wo lodernder Hass ist.

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Weißt du nicht, Bürgerin, Bürger, weißt nicht

Wer deine Väter und Mütter einst waren? Zwar

Voll des Hasses, wissen wir jetzt. Aber

Weißt du genau, wie sie fühlten? Weißt, dass sie

Gesundheit verlangten, Freiheit vom bösen

Aussauger natürlicher, volksguter Kraft?

Weißt, dass da Hass und Eigenliebe sich paarten?

Und Kindern eine bessere Welt offenstehn sollte?

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Wisse Bürgerin, wisse Bürger:Der Tod der Juden

Ist ungesühnt, muss ungesühnt bleiben. Nicht kann

Vergeben, ja gesühnt werden, wenn der Täter noch hasst.

Und glaube mir, Bürgerin, Bürger: Er hasst in dir fort.

Immer noch gierst du wie damals, im Nachbarn

Den Schädling, den Verschmutzer zu finden. Beseitigen

Willst du wie damals, vernichten! Im Namen kranker

Natur sprichst du heute, rechtfertigend neue Gewalt.

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

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