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Monat: Juni 2020

Das wöchentliche Gedicht – 24. Sendung

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Meiner Liebe

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Ich bin dir treu, bin jetzt dir treu und morgen,
Ich war dir gestern treu, war treu dir alle Zeit,
Denn hinter aller Sehnsucht, allem Leid warst du verborgen,
Warst wunderbar in Schmerz und Freuden eingeweiht.

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Und hätt’ ich damals nicht gewusst, in sanftem Ahnen,
Wie sehr mein Leben deinem Leben angehört,
Ich hätte elend mich verloren, meine Lebensbahnen
Für heut und morgen – auf immer mir zerstört.

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So hat ein tiefer Sinn uns Ewigkeit gegeben,
Uns zugesandt einander, planvoll anvertraut,
Hat dich und mich vereinigt für ein Leben,
In dem wir über aller Zeit uns liebend angeschaut.

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Das wöchentliche Gedicht – 23. Sendung

Mahnung

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Wisse Bürgerin, wisse Bürger, dass du noch immer

Voll bist des Hasses. Nicht hast du dich selbst,

Nicht Grund und Folge unserer Taten erfasst. Nicht

Bist du frei, erlöst gar vom Mord. Denn immer noch gären

Wut und Trauer, quillt aus dem schwärzlichem Schlot

Deiner Feigheit Rauch; genährt ist das Feuer

In dir durch Missgunst, Habgier und Neid. Sprich nicht

Von Trauer und Wut, wo lodernder Hass ist.

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Weißt du nicht, Bürgerin, Bürger, weißt nicht

Wer deine Väter und Mütter einst waren? Zwar

Voll des Hasses, wissen wir jetzt. Aber

Weißt du genau, wie sie fühlten? Weißt, dass sie

Gesundheit verlangten, Freiheit vom bösen

Aussauger natürlicher, volksguter Kraft?

Weißt, dass da Hass und Eigenliebe sich paarten?

Und Kindern eine bessere Welt offenstehn sollte?

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Wisse Bürgerin, wisse Bürger:Der Tod der Juden

Ist ungesühnt, muss ungesühnt bleiben. Nicht kann

Vergeben, ja gesühnt werden, wenn der Täter noch hasst.

Und glaube mir, Bürgerin, Bürger: Er hasst in dir fort.

Immer noch gierst du wie damals, im Nachbarn

Den Schädling, den Verschmutzer zu finden. Beseitigen

Willst du wie damals, vernichten! Im Namen kranker

Natur sprichst du heute, rechtfertigend neue Gewalt.

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Das wöchentliche Gedicht – 22. Sendung

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Gesang der Gewissheit

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Stark stand im Brodem des Sturmes Gewissheit

Die ja dem Sturme nicht wich.

Nicht aber mochte dem Sturm sie sich sagen

Galt sich nur selbst und klärte die Antwort, die Frage.

Reichte hinab zu sich selbst

Einsam im Auge des Sturms.

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Nicht aber mochte dem Sturm sie sich sagen:

Orgeln und Pfeifen war tosend Gestumm!

Über dem Windbraus der heulende Atem des Sturms

Brach ihre Stimme, die tief sich erfrug;

Eben erst Weile zu sprechen und

 Ruhe und Halt.

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Die ja dem Sturme nicht wich!

Denn im Auge des Sturms

Wurde sie wahr dann:

Hier sich erklärend, dort hinab sich erlangend

Stimme einsam des Sturms und sprechende Frage zu sein:

Gesellige Antwort sich selbst als Gesang der Gewissheit.

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Das wöchentliche Gedicht – einundzwanzigste Sendung

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Die Ferne

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Jeder Blick und jedes Lächeln sind vergebens

Jeder Geist und jedes Herz verwaist.

Jede Liebe muss aus weiter Ferne schweigen

Niemand ist der mit ihr reist.

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Niemand darf ihr weithin folgen

Niemand soll den Weg erkennen.

Niemand kann ihr einsam helfen,

Jeder muss in ihr verbrennen.

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Wer die Grenzen ihres Lebens überschreitet

Muss dann sorglos und verächtlich sein.

Wer das Gift des lebenslangen Glücks verbreitet

Wird ihr totvermähltes Opfer sein.

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copyright 2020 Alexander Hans Gusovius