Zum Inhalt

Alexander Hans Gusovius Posts

Lexikon der Gegenwart

Mindfracking

Als Mindfracking bezeichnet man das Ausquetschen weitgehend verödeter Hirnregionen, um trotz fehlender Einsicht in ein Thema möglichst plakative Ansichten zu generieren und diese anschließend maximal penetrant zu kommunizieren. Die Technik wird umso häufiger angewandt, je unübersichtlicher eine Thematik ist, insbesondere Weltrettungs- und Gesundheitsfragen betreffend. Die besten Ergebnisse werden bei solider Halb- und Viertelbildung erzielt. Mindfracking ist jedoch über die gesamte Bevölkerung breit verteilt und tritt häufig bereits im Kindesalter auf (siehe hierzu: FFF).

Mein Gedicht der Woche: Zwölfte Sendung

.

Spurensuche

.

Wo abends Frosch und Ente quarren

Bei jenem Dorfe zwischen Seen

Wo alte Bootsanleger knarren

Wo Schilf wiegt, wenn sacht Winde wehen

Dort spürst du noch den Hauch der Zeit

Der uns so schmerzlich fehlt – Vergangenheit.

.

Im Wald ein Rauschen alter Bäume

Gesumm und Surren, spätes Sommerlicht

Berühren und betrüben dich wie Träume

Von fern, wenn deine Seele Wahrheit spricht.

Hier spürst du noch den Hauch der Zeit,

Der uns so schmerzlich fehlt – Vergangenheit.

.

Doch lässt du Wald und See einmal zurück

Und sprichst von dem, was du gesehen.

Wie schwer wird dir der Menschen Blick

Der sagt, dass sie dich nicht verstehen.

In diesem Blick, unnahbar, eitel, hart

Liegt alle Zukunftsdüsternis – der Gegenwart.

.

.

copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Koinzidenz

26. März 2020

Schon seltsam bzw. bezeichnend, dass Covid-19 im Ernstfall die freie Atmung beeinträchtigt, während die gesellschaftlichen und politischen Hauptentwicklungslinien uns zunehmend die Luft zum freien Atmen nehmen. Krankheiten greifen immer da an, wo wir ohnedies schwach sind!

 

Gedicht der Woche – elfte Sendung

.

Das Leben ein Traum

.

Hab‘ mich verloren in Zeit und Raum

Seit ich aus jenem Kerker befreit

Den der Vater mir schuf

Weil er selber gefangen

In Raum und Zeit.

.

Wie sprangen die Jahre und Tage vorbei

Als ich nach ihnen langte.

Wie tun sie heut spröde und einerlei…

.

Kann nur noch erklären,

Was um mich geschieht

Und nichts mehr begehren!

.

So tanze ich über und unter der Zeit

Verfolgen mich Orte

Vergeht mir die Zukunft

Gestalten sich Worte 

  In eigener Schönheit.

.

 

copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Mein wöchentliches Gedicht – zehnte Sendung

.

Das Geheimnis

.

Was ist es, das in dir sich eingefunden,

Verdichtet hat zu menschenhaftem Sein!

Wie übergabst du dich den rechenbaren Stunden

Und tauschtest Ewigkeit für Endlichkeit dir ein!

.

Wie faß‘ ich, was in dir sich eingefunden,

Verwirklicht hat in menschlicher Gestalt?

Dein Herz erzählt mir zitternd von Sekunden,

Dein Blick von überzeitlicher Gewalt.

.

Ich seh dich gehen, seh dich lächelnd schreiten

Und folge zögernd deinem Augenblick.

Die Sterne weisen nachts mir überferne Weiten,

In die du bald – sehr bald schon kehrst zurück.

.

copyright 2020: Alexander Hans Gusovius

Mein wöchentliches Gedicht – neunte Sendung

Begleitumstände

Alle Wege ging ich wie im Traum,

Tat jeden Schritt, tat jeden Tritt gewiss.

Ich folgte der Erinnerung – sie führte

Mich sicher.

.

Alle Gunst war mir umsonst gegeben,

Hörte jeden Hahn mir zum Gefolge krähn.

Ich gab der Ahnung das Geleite – sie führte

Mich sicher.

.

Alle Lust war mir im Schmerz geboren,

Sah die Menschen schattenhaft gekrümmt.

Ich nahm der Gegenwart den Atem – sie folgte

Mir sicher.

copyright 2020: Alexander Hans Gusovius

Mein wöchentliches Gedicht – achte Lieferung

Stille war

In grünen Schattenräumen

Träumen Winde

Von lang vergangner Einsamkeit.

Bereuen linde den Verlust

Der starken alten Sturmeszeit.

Und säuseln hinter Flieder

Für und wider

Die Natur.

Sacht, sacht erwacht ein Wind,

Erhebt sich leis – und windgeschwind

Erwacht die Flur.

Bald heult und rüttelt,

Schüttelt er den Traum

In glücklich-wilder Einsamkeit,

Bricht stürmisch tosend sich den Raum

In auferstanden-leidverlorne Zeit.

c Alexander Hans Gusovius 2020

Mein Gedicht der Woche – siebte Lieferung

Warnung

Sie war ein so feines Instrument

Das dachte:

Bald kommt er, auf mir zu spielen. –

Doch kam wer?

War jemals nur einer

Von ferne zu sehen?

Sie war ein so feines Instrument,

Und weinte.

Niemand kam auf ihr zu spielen…

Bei alledem blieb sie sanft und zart

Sang sehnsuchtsvoll weiter Paminas Part

Von Männern, welche Liebe fühlen.

Und sah doch nur Männlein, bedeckte Gestalten

Und kannte bald all die versteckten Gewalten

Von Spielern, die ihre Triebe kühlen.

Da gab sie das Warten, das Suchen auf

Und spielt endlich sich selbst:

Wie glutvoll erklingt ihr entfesseltes Sehnen!

Wie seelenvoll singt sie von vergossenen Tränen!

Sie sucht so ihr schmerzvolles Schicksal zu mildern –

Und lebt doch wie je in gekünstelten Bildern…

copyright 2020 Alexander Hans Gusovius

Mein Gedicht der Woche – sechste Lieferung

 

Die Liebende

 

Liebe hielt sie stets umfangen,

Männerliebe. Immer gebend

Wollte sie ihr Opfer sein.

Scheinbar ruhig, heiter lebend,

Schaute sie das Werk der Diebe

Und brach in sich selber ein.

 

Kälte überfiel sie mehr und mehr,

Kälte überfiel sie bald so sehr,

Dass sie zitternd, kaum mehr fragend,

Niemals klagend,

Überging in jene Sphären,

Die dem Alter Tod gewähren.

 

Schönheit ist ihr junges Los,

Blasse, zarte Schönheit,

Überwirklich groß.

Und in Qual, Entsagung, Arbeit,

Gibt der Tod ihr lang Bedenkzeit,

Den gelebten Todesstoß.

 

 

copyright Alexander Hans Gusovius 2020

Mein Gedicht der Woche (Fünfte Sendung)

 

Über dem Schall

Horch in die Töne der Zeit

Sie erklingen

Versteckt

Doch für jeden vernehmbar.

 

Sie verfliegen

Geschwind

Auf silbernen Schwingen

Ins Licht der ewigen Kreise…

 

Horch hin!

Und schau auf:

Die Töne der Zeit

Silbern leise…