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1. August 2016

Die gewohnte Welt, im Kern schon länger in Auflösung begriffen, weist immer deutlichere Risse auf. Angesichts des Unübersehbaren wird viel geredet, viel kommentiert, viel gepostet. Doch wenig von dem, was da kommuniziert wird, wiegt schwer. Das allermeiste ist nachgesprochen, ist nichts als ein Aufguss ewig-alter Ansichten, überlebter Einsichten. Verdruss und Verzweiflung, Ratlosigkeit und Hoffnung, heiliger Zorn und gebetsartige Wünsche bestimmen den schablonierten Diskurs.

In Zeiten verfallender Gewissheiten wirft die geistige Leere geborgter Meinungen einen nochmals längeren Schatten – und stärkt die Kontur echten Meinens. Umso mehr drängt sich der Eindruck auf, dass die im Übermaß leer Kommunizierenden gar nichts mitteilen wollen, sondern vielmehr eine Art geistig-seelischen Verdauens betreiben. Ihr Wahrnehmungsapparat ist so voll wie ein Magen nach ausschweifendem Essen, und was sie reden, kommentieren und posten, entspricht in fortgesetzter Analogie den fürchterlichen Hinterlassungen kulinarischer Art.

Möglicherweise, denkt man sich, steckt also hinter dem seit Jahrzehnten hochgeschätzten Begriff der Kommunikation ein viel elementareres Bedürfnis als das nach vermeintlich stattfindendem, realem Austausch von Meinungen, Ansichten und Botschaften. Und am Ende, will es scheinen, ist all das tägliche Reden und Palavern immer schon nichts anderes als die taghelle, sich nur vernunftgesteuert gebende Entsprechung nächtlich-wirren Träumens.

Veröffentlicht inGedanken

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