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03.01.2015

Das Jahr fängt gut an – Halskratzen, dicke Nase, Ohrendruck, dumpfer Schädel – mitgebracht aus Karlsruhe, wo wir zwei Tage im sympathisch-skurrilen Hotel am Tiergarten verbrachten. Höhepunkt inmitten des wilden, städtischen Schneetreibens sollte der Besuch einer Edgar-Degas-Ausstellung sein. Degas erwies sich jedoch bei genauem Hinsehen als nur mittelmäßig begabt, höchstens zwei, drei Gemälde taugten etwas, der Rest wirkte reichlich bemüht. Vergleichsarbeiten anderer Maler, vom Museum gelegentlich daneben gehängt, schlugen selten zugunsten von Degas aus. Besonders krass fiel der Vergleich bei zwei Zeichnungen von Rembrandt aus – Profi vs. Amateur.

Erkältungen und Grippe sind lästig wie Schmeißfliegen, aber auch äußerst erholsam. Der teigige Gehirnkasten will und kann nicht belastet werden, und auch jeder Schritt und Handgriff ist einer zu viel. Also lässt man’s nach wiederholten Versuchen einfach bleiben, sich irgendwie anstrengen zu wollen, und ist mit Fernsehsendungen zufrieden, die vor Blödheit förmlich schreien. Wann sonst ist man bereit, so reizarm durch den Tag zu schleichen und sich in der Folge derart tief zu entspannen? Das Leben in Zeiten fetter Erkältungen ist eine einzige Flat-Line…

Auffällig und für einen Maler höchst problematisch: Degas konnte keine Augen malen, überall tote Knöpfe in den Köpfen. Spätestens hier wird deutlich, dass es keinen tragfähigen Ausdruck in den Bildern von Degas gibt. In späteren Jahren hat er das „Problem“ dadurch zu lösen versucht, dass er vornehmlich Rückenansichten malte, künstlerisch eine Bankrotterklärung, parallel gestützt durch Genre-Bilder aus Theatern usw., deren vordergründiger Effekt die konzeptionelle Leere des Malers übertönen sollte und in Wahrheit beweist.

Große Namen sind eben kein Garant für Qualität, besonders in der Malerei nicht. Das fiel mir schon vor Jahren bei einer Gauguin-Ausstellung in Berlin auf. Viel Obsession, wenig Tiefenschärfe… So wurde ein Abendessen im „Tapas y mas“ in der Karlsruher Innenstadt zum eigentlichen Höhepunkt – drei angenehme Stunden im wenig besuchten Raucher-Kabinett bei vorzüglichem Essen mit großartigem Wein. Dazu gute Stunden in der Raucher-Lounge des Hotels… Tabak hebt die Qualität von Unterhaltungen! Wenn die große Gesundheitshysterie eines Tages abgeklungen ist, wird man das wiederentdecken.

Veröffentlicht inGedanken

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