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Alexander Hans Gusovius In Beiträgen

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Willkommen…

… auf www.gusovius.net. Und das wird hier geboten: Ein (B)LOGBUCH als literarisch-philosophisches Tagebuch, in dem offen nachgedacht, frei assoziiert wird: keinesfalls regelmäßig, selten brandaktuell – aber immer relevant. Dazu ein Überblick über BÜCHER und ARTIKEL, die ich in den letzten Jahren publiziert habe, samt Leseproben. Des Weiteren ein paar THESEN, die Gott und Religion vom Kopf auf die Füße stellen. Ach ja, und ein Überblick über meine VITA, falls das jemanden interessiert.

1. August 2016

Die gewohnte Welt, im Kern schon länger in Auflösung begriffen, weist immer deutlichere Risse auf. Angesichts des Unübersehbaren wird viel geredet, viel kommentiert, viel gepostet. Doch wenig von dem, was da kommuniziert wird, wiegt schwer. Das allermeiste ist nachgesprochen, ist nichts als ein Aufguss ewig-alter Ansichten, überlebter Einsichten. Verdruss und Verzweiflung, Ratlosigkeit und Hoffnung, heiliger Zorn und gebetsartige Wünsche bestimmen den schablonierten Diskurs.

In Zeiten verfallender Gewissheiten wirft die geistige Leere geborgter Meinungen einen nochmals längeren Schatten – und stärkt die Kontur echten Meinens. Umso mehr drängt sich der Eindruck auf, dass die im Übermaß leer Kommunizierenden gar nichts mitteilen wollen, sondern vielmehr eine Art geistig-seelischen Verdauens betreiben. Ihr Wahrnehmungsapparat ist so voll wie ein Magen nach ausschweifendem Essen, und was sie reden, kommentieren und posten, entspricht in fortgesetzter Analogie den fürchterlichen Hinterlassungen kulinarischer Art.

Möglicherweise, denkt man sich, steckt also hinter dem seit Jahrzehnten hochgeschätzten Begriff der Kommunikation ein viel elementareres Bedürfnis als das nach vermeintlich stattfindendem, realem Austausch von Meinungen, Ansichten und Botschaften. Und am Ende, will es scheinen, ist all das tägliche Reden und Palavern immer schon nichts anderes als die taghelle, sich nur vernunftgesteuert gebende Entsprechung nächtlich-wirren Träumens.

23. Mai 2016

Mich irritieren die meisten dieser Debatten über den Islam. Nicht wegen der sinnlosen Frage, ob er zu Deutschland gehört oder nicht. Sondern wegen der verqueren Selbstverständlichkeit, mit der religiöse Umstände wieder zum Taktgeber unseres Daseins werden. Haben wir uns nicht eben erst, also vor einem gesellschaftshistorischen Wimpernschlag, vom Ballast religiöser Ergebenheit befreit? Wollen wir wirklich eine Welt wiederaufleben lassen, in der es von besonderer Bedeutung ist, ob und was irgendwer glaubt, dessen Denken ans Ende kommt?

Man muss sich einmal klarmachen, dass die Implikationen jeglicher Religion unweigerlich zur Einlieferung in die Psychiatrie führen, sobald man sie ohne allen religiösen Zierrat bei einem Arztbesuch vorträgt. Ganze Bücher, von Gott geschrieben oder diktiert, sind als ernsthafter Glaubensinhalt jedenfalls nicht sehr weit weg von Stimmen in der Wand. Wer gläubig sein will, ist es trotzdem. Man kann auch nichts verbieten, das diesem oder jenem so durch den Kopf geht. Aber man sollte derlei für sich behalten.

Der Islam gehört daher ganz klar nicht zu Deutschland, sondern zu denjenigen, die an ihn glauben. Das gilt auch für jede andere Religion. Keine darf beanspruchen, mehr als eine Art privater Lebensausgestaltung zu sein.

12.5.2016

Das Leben ist klüger als wir, wenn wir klug genug sind, uns dem Leben anzuvertrauen. Tun wir das nicht, hält es nur trockenen Lehrstoff bereit, durch den wir uns hindurchquälen.

4. Mai 2016

Trump ist als US-Präsidentschaftskandidat fast nicht mehr aufzuhalten. Möglich, dass er auch als Präsident nicht aufzuhalten sein wird – Hillary Clinton hat zwar bislang die meisten der gewöhnlich zur Wahl gehenden Amerikaner hinter sich, aber niemand weiß, wer schließlich aus welchen Gründen außerdem wählen geht. Und ihr klebt das Pech an den Füßen, sie ist kein Siegertyp, sie wirkt unecht und zieht meist den Kürzeren. Sollte Trump darum Präsident werden, muss man befürchten, dass er sich vom Amt zunächst blenden lässt und einiges Porzellan zerschlägt. Mittelfristig wird er aber wie einst Reagan von realpolitischen Überlegungen geleitet werden. Die USA werden auch diesen Präsidenten überstehen. Wirklich interessant ist auch erst, wer danach kommt – oder nach Clinton…

26.1.2015

Der nächste Schritt in der Erkenntnisgeschichte der Menschheit ist die Entdeckung bzw. Feststellung des göttlichen Prinzips und Wirkens im Menschen selbst. Das ist keine Rückkehr zur Naturreligion, sondern die Manifestation der Metaphysik im Tatsächlichen, die ich „Transzendenz des Faktischen“ nenne. Von hier aus erfolgt erst die notwendige Wertsetzung und allumfassende Erneuerung der technischen, industriellen Revolution, die ein neues Zeitalter eingeläutet hat wie einst die Renaissance. Übergreifend jedoch wechseln andere, größere Zeitalter einander ab. Auf die Idee der einen Gottheit, die Vorstellung einer Vielzahl von Göttern ablösend, folgt kein Gott mehr. In der Abkehr von festgeschriebenen Religionen treten wir unmittelbar in die Transzendenz des Faktischen ein…

03.01.2015

Das Jahr fängt gut an – Halskratzen, dicke Nase, Ohrendruck, dumpfer Schädel – mitgebracht aus Karlsruhe, wo wir zwei Tage im sympathisch-skurrilen Hotel am Tiergarten verbrachten. Höhepunkt inmitten des wilden, städtischen Schneetreibens sollte der Besuch einer Edgar-Degas-Ausstellung sein. Degas erwies sich jedoch bei genauem Hinsehen als nur mittelmäßig begabt, höchstens zwei, drei Gemälde taugten etwas, der Rest wirkte reichlich bemüht. Vergleichsarbeiten anderer Maler, vom Museum gelegentlich daneben gehängt, schlugen selten zugunsten von Degas aus. Besonders krass fiel der Vergleich bei zwei Zeichnungen von Rembrandt aus – Profi vs. Amateur.

Erkältungen und Grippe sind lästig wie Schmeißfliegen, aber auch äußerst erholsam. Der teigige Gehirnkasten will und kann nicht belastet werden, und auch jeder Schritt und Handgriff ist einer zu viel. Also lässt man’s nach wiederholten Versuchen einfach bleiben, sich irgendwie anstrengen zu wollen, und ist mit Fernsehsendungen zufrieden, die vor Blödheit förmlich schreien. Wann sonst ist man bereit, so reizarm durch den Tag zu schleichen und sich in der Folge derart tief zu entspannen? Das Leben in Zeiten fetter Erkältungen ist eine einzige Flat-Line…

Auffällig und für einen Maler höchst problematisch: Degas konnte keine Augen malen, überall tote Knöpfe in den Köpfen. Spätestens hier wird deutlich, dass es keinen tragfähigen Ausdruck in den Bildern von Degas gibt. In späteren Jahren hat er das „Problem“ dadurch zu lösen versucht, dass er vornehmlich Rückenansichten malte, künstlerisch eine Bankrotterklärung, parallel gestützt durch Genre-Bilder aus Theatern usw., deren vordergründiger Effekt die konzeptionelle Leere des Malers übertönen sollte und in Wahrheit beweist.

Große Namen sind eben kein Garant für Qualität, besonders in der Malerei nicht. Das fiel mir schon vor Jahren bei einer Gauguin-Ausstellung in Berlin auf. Viel Obsession, wenig Tiefenschärfe… So wurde ein Abendessen im „Tapas y mas“ in der Karlsruher Innenstadt zum eigentlichen Höhepunkt – drei angenehme Stunden im wenig besuchten Raucher-Kabinett bei vorzüglichem Essen mit großartigem Wein. Dazu gute Stunden in der Raucher-Lounge des Hotels… Tabak hebt die Qualität von Unterhaltungen! Wenn die große Gesundheitshysterie eines Tages abgeklungen ist, wird man das wiederentdecken.

7.5.2013

Religion ist nicht nützlich, sondern Reflex eines allegorisierenden, kollektivierenden Instinkts, der über aktuelle Wahrnehmungsmuster zur Erklärung der Welt hinausgeht. Im Kollektiv und der Allegorie schleichen sich die aktuellen Wahrnehmungskategorien aber wieder ein. Das macht Religion so zwiespältig. Das Böse ist übrigens nichts als eine instinktive, allegorisierende Ausdeutung von: Natur. Geht die Furcht davor auf Gott über, wendet sich das Böse ins Gute und nimmt Zivilisation ihren hoffnungsvollen, immer neuen Anlauf…